Sexueller Kindesmissbrauch ist SEELENMORD

 

Interviews mit betroffenen Frauen- 
geführt von Angela Moonlight 

 

Vorwort

 

 

Guten Tag! 

Hier spricht Ihre Angela Moonlight.  
Im Frühjahr 2007 habe ich meine Autobiographie: “Rette mich manche Kinder werden ohne Schutzengel geboren veröffentlicht. In diesem Buch geht es um mehrfachen sexuellen Missbrauch innerhalb meiner eigenen Familie, den ich bis zu meinem 14. Lebensjahr durchleiden mußte und der sich nachweislich über zwei Generationen zieht! 
Ich möchte den Menschen nun  mit den unten folgenden Interviews verdeutlichen, unter welchen Bedingungen Missbrauchsopfer leben.  
Es ist mir 
sehr wichtig, die Seite der Betroffenen darzustellen, da sich viele ein Leben lang nicht wagen, darüber zu sprechen. Oft können sich weder die Gesellschaft, noch die näheren Angehörigen ein Bild von den Qualen der Opfer machen. Wir haben hier versucht, gemeinsam das Schweigen zu brechen.  
Tapfer, unter großen Mühen und voller Mut haben die Betroffenen meine Fragen beantwortet. Es war für keines der Opfer leicht. Man erlebt das Trauma noch einmal, viele der Opfer wurden von Flash-Backs heimgesucht, viele sind so mutig und sitzen heute noch an den Fragen, da sie es auf einmal nicht schaffen konnten.  
Hier noch einmal meinen Respekt und meinen Dank für die Unterstützung dieser Menschen!!!    


Das Copyright liegt ausschließlich bei Angela Moonlight und deren Interviewpartner innen!    

 

 

Und nun ergreifen die Missbrauchsopfer das Wort:  
  
Frida: Darüber zu sprechen, fällt mir meistens sehr sehr schwer, nur wenn ich eine innere Distanz dazu aufbaue ist es mir möglich darüber zu reden. Vieles meiner Erinnerung befindet sich noch im Nebel und die Dinge, die ich weiß setzen sich aus kleinen Puzzelteilen zusammen, meist 
jedoch innere Bilder. Die Gefühle jedoch sind alle komplett zurückgekehrt zu mir und helfen mir so verrückt es klingt irgendwo zu begreifen was genau geschehen ist. Meistens eröffnen mir Flashbacks neue Puzzelteile und Einzelheiten.(Das ist jetzt nur speziell auf meinen sexuellen Missbrauch bezogen, über alles andere fällt es mir wesentlich leichter zu reden, aber einfach wird es wohl nie sein)  Angela Moonlight: Welche Art von Missbrauch ist Ihnen widerfahren?  
Frida: Ich wurde einmal psychisch und physisch meine ganze Kindheit und Jugend lang durch meine Brüder misshandelt, das körperliche waren meistens jedoch kleinere Übergriffe, wie Stunden lang auskitzeln, in den Gefrierraum einsperren oder aber ich wurde gezwungen Lebensmittel zu essen, die ich nicht mochte. Desweiteren lebte ich durch meine Mutter und meinen Stiefvater komplett vernachlässigt. (mangelnden Aufmerksamkeit, fehlende Liebe etc.) Dann war da noch mein leiblicher Vater, er hatte bis zu meinem 11 ten Lebensjahr bei uns gewohnt und geschlagen und terrorisiert und unterdrückt. Nachdem meine Mutter die Trennung verlangte und ihn vor die Türe gesetzt hatte, kamen Morddrohungen, Verfolgung und über Jahre hinweg ein Menschenunwürdiger Rosenkrieg dazu, der die Familie an das Existenzminimum getrieben hatte. (Auch anderer Traumatisierende Ereignisse waren vorgefallen) So und nun noch zu meinem Sexuellen Missbrauch. Mit 4 Jahren hatte ich über mehrere Wochen hinweg einen Kuraufenthalt, so weit mich meine Erinnerungen nicht trügen fand dort mein Missbrauch statt.  Angela Moonlight: Fand der Missbrauch durch Fremde oder durch Familienmitglieder statt?   
Frida: Der sexuelle Missbrauch fand so weit ich weiß, durch den Sohn der Frau, der das Kurheim gehörte, also ein Fremder Mann, statt. Alles andere wurde durch Familienmitglieder verübt.  Angela Moonlight: Wie lange liegt das schreckliche Ereignis zurück?  Frida : Von meiner Familie habe ich es erst mit 21 geschafft mich zu lösen also 6 Jahre. Der sexuelle Missbrauch liegt 23 Jahre zurück.   
Angela Moonlight: : Hatten Sie jemanden mit dem Sie darüber sprechen konnten? 
Frida: Nein! Mein familiäres Umfeld war so schrecklich, dass ich damals meinen sexuellen Missbrauch verdrängte. Über alles, was in der Familie geschah hatte ich auch nie die Möglichkeit zu sprechen, ich hatte niemanden und Mitschülern wurde es verboten mich zu besuchen und ehrlich gesagt war ich damals auch ein Aussenseiter, hatte keine Freunde und wurde nur gehänselt.  
Angela Moonlight:  Wenn ja wer? Hat man Ihnen geglaubt? Wenn Nein, wie sind Sie damit umgegangen?  
Frida: Schwer eigentlich habe ich die ganzen Jahre lang alles in mich hineinfressen müssen alles so gut ich konnte verdrängen, meine Esstörung hat mir dabei sehr geholfen, ich konzentrierte mich auf meinen Körper und darauf abzunehmen. Auf das Essen auf Kalorien und Fettgehalt, meine Esstörung war damals ein guter Freund, der mir alles erträglicher machte. 
  Angela Moonlight:  Wie konnten Sie das schreckliche Ereignis verarbeiten? Konnten Sie es überhaupt?  
Frida: Meine Kindheit und Jugend habe ich in den letzten 6 Jahren verarbeiten können erst mit Therapie später ohne, ich brauchte absolute Ruhe und die Abgeschiedenheit um zu mir selber zu 
finden und Wege zu finden, die Dinge zu verarbeiten und nicht, wie ich es gelernt hatte weiter zu verdrängen und davonzulaufen. Geholfen haben mir dabei Texte und Gedichte, ich habe sehr viel geschrieben, ich habe wieder die Kunst und meine Kreativität für mich entdeckt und das Kopfkissen *lach* zum hinnein schreien zum zuweinen und an die Wand schmeißen. Meinen sexuellen Missbrauch hingegen konnte ich bis vor einem Jahr ca nicht verarbeiten, erst da finden die Dinge an aufzubrechen und hoch zu kommen, ich bin also dabei und verwende eigentlich die Methoden, die mir auch bei der Verarbeitung der anderen Dinge geholfen haben. (Ich habe sie meine Baumstämme getauft, denn sie geben mir Halt und Sicherheit, wie es einst mal meine Esstörung tat.) 
Angela Moonlight:  Können Sie sich daran erinnern wann Sie das erste Mal darüber gesprochen haben, in einer Therapie, beim Arzt, mit einer Freundin?   
Frida: Mit 17 habe ich meinen ersten Versuch gewagt Jemanden etwas zu sagen, ich habe meinem Jüngeren Bruder von meiner Esstörung, die ich damals entwickelt habe erzählt unter starken Schamgefühlen, in der Hoffnung er würde aufhören mich zu quälen, er lachte nur und ich habe erst geschafft über die Ereignisse mit Jemanden zu reden, als ich ca 20 war. Anonym per Internet. Über meine Esstörung sprach ich dann das erste mal wirklich bei einer Beratung in einem Frauenhaus mit 23 und mit meinem damaligen Freund, der mir half den ersten Schritt zu gehen. 
Angela Moonlight: Alle Opfer von Missbrauch leiden unter verschiedenen Symptomen. Können Sie mir sagen wie Ihre Symptome aussehen? Hatten Sie schon einmal Selbstmordgedanken  
Frida: Ich habe folgende Symptome: Essstörungen (Folgeschäden: kaputte Zähne extreme Magenprobleme, hochempfindliche Speiseröhre, Nebenhöhlen und Mundraum, gestörter Stoffwechsel und gestörte Hunger und Sättigungsgefühle) Angst und Panikzustände Schlafstörungen Selbstverletzendes Verhalten (leichtes ritzen, kratzen von Geschlechtsteilen etc) Alpträume Herzrasen Schweißausbrüche Extreme Muskelverspannungen und Migräneattacken Körperliche Schwäche Konzentrationsstörungen (2 Dinge auf einmal machen ist unmöglich für mich) Dissoziationen Misstrauen Ordnungs Putz und Perfektionszwänge Kopfkino Magen und Darmprobleme incl Koliken Ohnmachts und Schwindelgefühle Leichte Depressionen Frösteln und Zittern Gestörte Verhältnis zu meinem Körper (besonders Geschlechtsteile und weibliche Merkmale) Reizüberflutung Gefühlschaos (meistens komplett gegensätzliche Gefühle auf einmal vorhanden) und extreme Schwierigkeiten diese zu sortieren und wahrzunehmen Schwächeanfälle Einschlafen und kribbeln von Körperteilen Extreme Rückzugstendenzen bis hin zur kompletten Abgeschiedenheit Sich emotional mit Kopfkino (meist irgenwelche Ängste die ich anfange dann als real anzusehen und existent) zukleistern oder Gefühle verdrängen Gestörter Selbstwert und das Bedürfnis sich selber zu bestrafen und die Schuld an allem zu geben Angst im Dunkel besonders vor dem ins Bett gehen Sichehreitszwänge die Tür abschließen (hab drei Schlossvorrichtungen) sich in die Bettdecke so sehr einrollen, dass nur die Nasenspitze zum Vorschein kommt etc Schreckhaftigkeit besonder vor lauten Geräuschen Extreme Angst vor Nähe besonders fremde Männer (z.B ein Mann steht hinter mir in der Bahn und mir wird so übel, dass ich mich übergeben könnte, ekel dabei und eine panische Angst) Ja ich hatte auch Selbstmordgedanken, besonder als Jugendliche und in der Zeit, wo mein Tag nur daraus bestand mich zu erbechen und wieder zu essen usw) Angela Moonlight: Was tun Sie damit es Ihnen besser geht?   
Frida: Bis zu einem gewissen Punkt ist es für mich sehr wichtig auch die unangenehmen Gefühle zuzulassen, sie auszuleben, das baut bei mir Druck und Depressionen ab.(Das kann unterschiedlich geschehen, entweder brauche ich Jemanden zum reden, oder ich ziehe mich 
zurück und verarbeite die Gefühle in Textform, mit einem Bild oder ich mache Musik und Kerzen an und bin einfach nur traurig) Ansonsten versuche ich mein Leben so angenehm, wie möglich zu gestalten und normale Dinge zu tun, die mir Ablenkung und Ausgeglichenheit schenken. Besonders hilft mir meine Kreativität dabei, ich bin ständig mit einem erfüllenden Projekt beschäftigt, das Gefühl etwas geschafft zu haben und es stolz hinterher zu betrachten gibt mir den meisten Auftrieb)  Angela Moonlight: Befinden Sie sich derzeit in einer Therapie?   
Frida: Nein, ich bin momentan auf der Suche nach einem geeigneten Therapeuten und befinde mich auf einer Warteliste für eine teilstationäre Traumatherapie. Angela Moonlight: . Ich meiner Seits, habe schon einige Therapien hinter mir. Im Moment läuft meine letzte Therapie aus. Angela Moonlight: Wie viele Therapien haben Sie schon gemacht?  
Frida: Zwei ambulante Therapien und zwei stationäre (Tagesklinik und Spezialklinik für Esstörungen), es gab auch Therapie lose Zeiten mit Psychiatrischer Begleitung.   
Angela Moonlight:  Meine Therapieformen waren alle ambulant. Wie ist das bei Ihnen?  Frida: Beides (Punkt 3)   
Angela Moonlight:  Wenn stationär, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?  
Frida: Ich habe mit den Stationären Therapien sehr gute Erfahrungen gemacht, man hat die Möglichkeit sich vollkommen auf seine Problematik zu konzentrieren und das sehr intensiv und mit dem Gefühl rund um die Uhr versorgt und aufgehoben zu sein. Besonders hilfreich an stationären Therapien ist auch der kontinuierliche Austausch mit Mitpatienten, oftmals hört man doch eher auf den Ratschlag eines Betroffenen, als auf den eines Therapeuten ;) Ab einen gewissen Punkt ist es aber dann nötig eine stationäre Therapieform zu verlassen, denn die Dinge die man dort lernt sind fernab vom normalen Leben und man nimmt seinen Großen Koffer an Erfahrungen, Lösungen und Erkenntnissen mit um zu schaffen, ihn auch im normalen Leben auszupacken und den Inhalt zu gebrauchen.  
Angela Moonlight: Wurde die Therapie Medikamentös begleitet? Wenn ja wie ging es Ihnen damit?  
Frida: Nein ich habe mich strickt geweigert irgendwelche Medikamente einzunehmen (bis auf einmal was zum einschlafen), da ich der Meinung bin, dass mich die Medikamente so sehr stabilisieren, dass ich keinen Anlass mehr sehe mich mit meinen Problemen auseinanderzusetzen. Ich will nicht einfach nur gesellschaftlich funktionsfähig gemacht werden und ewig mich von meiner Vergangenheit in mir vergiften lassen, sonder mich den Sachen stellen. Vieles wurde bei mir kaputt gemacht,aber mittlerweile weiß ich dass ich es schaffen werde, mich so sehr wieder *zu reparieren*, dass ich auch ohne Medikamente ein angenehmes Leben führen kann.  Angela Moonlight:  Leiden Sie unter Nebenwirkungen der Medikamente? Wenn ja welche?  
Frida: Die Schlaftablette (Stangyl), die ich genommen habe sorgten dafür, dass ich von morgens bis abends eingenebelt war und nicht mehr klar denken und handeln konnte. Ich konnte zwar besser schlafen, aber der Schlaf war weniger erholsam als normaler.  Angela Moonlight:  Müssen Sie die Medikamente immer noch einnehmen?  
Frida: Nö.  :)   
Angela Moonlight:  Ich habe mich vor längerer Zeit zu einem schwierigen Schritt durch gerungen. Ich habe gegen die noch lebenden Täter Strafanzeige gestellt. Haben auch Sie Strafanzeige gestellt? Wenn Ja wie waren Ihre Erfahrungen damit? Frida: Nein habe ich nicht, ich weiss ja auch noch nicht zu hundert Prozent wer es genau war.  
Angela Moonlight:  Nächster schwerer Schritt war der Antrag auf Opferentschädigung beim Amt für soziale Angelegenheiten. Haben auch Sie einen solchen Antrag gestellt? 
Frida: Nein, habe ich ebenfalls nicht, solche Schritte werde ich wohl erst nach meiner Therapie, wo alles hochgeholt wird, evt. in Betracht ziehen.  Angela Moonlight:  Wenn ja wie sind Ihre Erfahrungen mit dem OEG?  Frida:  Angela Moonlight: Fühlen Sie sich verstanden und unterstützt?  
Frida:  Angela Moonlight:  Was würden Sie sich von einer solchen Einrichtung oder vom Staat wünschen?  
Frida: Auf jeden Fall würde ich mich wünschen, dass man nicht erst seine Glaubwürdigkeit erkämpfen muss.  Angela Moonlight: Was wissen Sie über die Verjährungsfristen?  
Frida: Ich kenne mich mit den rechtlichen Sachen so gar nicht aus, habe ich mich auch noch nie mit befasst, für mich steht erstmal die Verarbeitung der Dinge im Vordergrund.  
Angela Moonlight: Denken Sie dass die Zeit ausreichend für die Opfer ist um Strafanzeige zu erstatten?  
Frida: Ich weiß nicht wie lang die Zeit ist, vermutlicherweise aber zu kurz, wenn ich Strafanzeige stellen wollte, wäre dies schätze ich zu spät denn es liegt 23 Jahre zurück.  
Angela Moonlight: Erhalten Sie Ihrer Meinung nach genügend Unterstützung und Schutz durch die Öffentlichen und juristischen Behörden?  
Frida: Das kann ich nicht beurteilen.  Angela Moonlight:  Ein paar Fragen zu Ihrem näheren Umfeld. Leben Sie in einer Beziehung?  Frida: Nein z.Z. nicht.  Angela Moonlight: Wie gestaltet sich diese Beziehung?  
Frida:  Angela Moonlight: Weiß Ihr Partner/ihre Partnerin von Ihrer Vergangenheit?  Frida: Meine ehemaligen Partner wusste immer Bescheid . 
Angela Moonlight: Welche Schwierigkeiten bestehen in der Beziehung (Sexualität, Nähe, Distanz)  
Frida: Oh... sexuelle Probleme gab es immer viele, auch was die Nähe anging, das konnte ich oft nicht zulassen. Sex war schwierig, da es sehr oft zu Flashbacks gekommen ist, oder ich einfach keine Sexualität spüren konnte. Allgemein lösten meine Beziehungen immer ein Chaos an Gefühlen aus, das Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitig nicht angefasst werden zu wollen, Lust auf Sex aber dennoch unbeschreibliche Angst und ein Davonlaufen. Oft habe ich auch einen Streit heraufbeschworen um meinen Partner in die Flucht zu jagen, da ich mit der Nähe nicht umgehen konnte.  
Angela Moonlight: Wie geht er/sie damit um? Frida : Meine Partner hatten es schwer damit klar zu kommen, meine letzten Beziehungen sind daran auch gescheitert denke ich. Angela Moonlight: Wie steht es mit dem Vertrauen in Ihrer Beziehung? Was bedeutet das Wort Liebe für Sie? Was das Wort Angst?  
Frida: Angst und Liebe sind bei dem Thema Beziehung für mich eng verbunden, ich kann oft mit Liebe nicht umgehen, da sie mir Angst macht. Ich sehen mich unwahrscheinlich nach Nähe und Liebe und Geborgenheit, all das, was ein Partner einen geben kann, doch wenn ich diese dann bekommen kann, wünsche ich mir nichts mehr, als wieder alleine zu sein..hmm schwierig das zu beschreiben, es gab auch wiederum Momente, da konnte ich nicht genug Liebe bekommen und annehmen. Liebe geben hingegen ist für mich kein Problem, das kann ich. Das Wort Angst löst bei mir auch die Angst davor verletzt zu werden, enttäuscht zu werden, belogen zu werden und benutz zu werden aus, diese Ängste kamen in einer Beziehung immer sehr stark zum Vorschein. Ich habe meinen Eltern Mutter und Stiefvater davon berichtet, vor etwa einem Jahr, nach außen hin geben sie sich sehr locker und lassen sich nichts anmerken, dennoch kommt es sehr selten zu einem Gespräch, und wenn dann nur sehr oberflächlich, von der Seite her erhoffe ich mir keine Unterstützung.  Angela Moonlight: Was würden Sie sich von Ihrer Familie wünschen?  
Frida: Dass sie einmal in Ihrem Leben sich Zeit für mich nehmen und sich einmal angucken, was ich alles alleine zu tragen habe, ich wünschte mir eine Familie, die nicht nur für Smaltalk geeignet ist, sondern, die für einen da sein kann, einem aufbaut, wenn es einem schlecht geht, sich mit einem freut, wenn man etwas erreicht hat, aber daran habe ich aufgehört zu glauben und das wird ewig nur ein unerfüllter Wunsch bleiben. Ich habe ja meine Wahlfamilie und das sind Freunde (wenn auch nur wenige, aber die sind für mich da)  
Angela Moonlight:  Eine Frage die man mir persönlich häufig stellt, die ich allerdings nicht bejahen kann ist: Hast du das erlebte verarbeitet? Bist du geheilt? Hört das jemals auf? Kennen auch Sie solche Fragen? Wie sind Ihre Ansichten dazu?  
Frida: Nein , ich habe das erlebte nicht verarbeitet und nein es wird ewig ein Teil von mir bleiben. Ich kann nur lernen ihn zu akzeptieren und mit umzugehen. Ja solche Fragen kenne ich natürlich auch. Meiner Ansicht nach, kann man es schaffen diesen Teil so sehr zu verarbeiten und zu integrieren, dass man innerlich Frieden finden kann, dass man es schafft zwei Welten, die miteinander im Einklang sind zu bringen und zu vereinigen.  
Angela Moonlight:  Abschließend möchte ich noch ein paar Fragen in Richtung Täter stellen. Glauben Sie, sie schaffen es mir diese zu beantworten?  Frida: Ich werde es versuchen so gut es geht  Angela Moonlight:  Was denken Sie über Ihren Täter/ihre Täter?  
Frida: Ich hasse und verabscheue diesen Menschen, denn er hat mein Leben zerstört meine Seele und meinen Körper beschmutzt und diesen Schmutz muss ich mein Leben lang mit mir rumtragen und kann ihn weder abstreifen noch wegwaschen. Jeder Augenblick in meinem Leben alles Schöne wird überschattet von diesem Menschen. Er hat mir meinen Frieden genommen, meine Freiheit und meine Leichtigkeit und mich in ein Gefängnis eingesperrt, in dem ich jeden Tag seinen widerwärtigen Geruch ertragen muss. So spricht die Seite der Wut und der Verachtung und Trauer. Die Seite der Vernunft und des Mitgefühls sagt jedoch, arme, kranke, kaputte Seele, es muss ein Fluch sein wenn man sexuelle gelüste entwickelt, wenn man ein Kind sieht, aber diese Seite ist selten da. Ich habe kaum Mitgefühl nur Verachtung, Wut, Ekel und Hass, ja Hass dazu stehe ich.  Angela Moonlight: Wie würde für Sie eine ausreichende Bestrafung aussehen?  Frida: Solche Menschen gehören kastriert!  
Angela Moonlight: Können Sie sich vorstellen, dass Täter nach ausreichender Therapie rehabilitiert werden können? Und somit zurück in die Gesellschaft geführt werden können? Frida: Nein daran glaube ich nicht!  
Angela Moonlight: Denken Sie in einem solchen Fall kann es Gerechtigkeit für die Betroffenen geben?  
Frida: Gerechtigkeit? Ist es gerecht, dass man ein kleines Kind sexuell missbraucht? Kann man so etwas je wieder gutmachen? Nein nichts auf der Welt kann einem wieder zurückgeben, was man bei einem Missbrauch verloren hat. Aber davon ab würde ich mir mehr Aufmerksamkeit für die Betroffenen wünschen, der Täter, den kennt jeder, jeder spricht über ihn er läuft Monate lang durch die Medien. In die verdammten Täter wird investiert, aber die Opfer? Wo bleiben die?? Ich persönlich muss mir im Leben alles selber erkämpfen, selbst die Glaubwürdigkeit und das finde ich sehr traurig.  
Angela Moonlight:  Versuchen Sie sich einmal vorzustellen ihr Täter würde vor Ihnen stehen. Selbstverständlich kann er Sie wieder bedrohen noch angreifen was würden Sie ihm sagen wollen?  
Frida: Ich glaube ich würde ihm sagen:" Schau Dir diese Gesicht gut an denn es wird Dich eins Tages in Deinen Träumen heimsuchen Nacht für Nacht und Dich nicht mehr ruhen lassen."  
Angela Moonlight: Welche Gedanken und Vorstellungen gehen in Ihrem Kopf herum, wenn Sie an diesen Menschen oder diese Menschen denken?  
Frida: Soll ich das wirklich hier aufschreiben? Einerseits der Wunsch diesem Menschen leiden zu sehen, ihn anzuspucken,ihm meine ganze Verachtung zu zeigen, meinen Ganzen Ekel, meine Ganze Qual, mein ganzes verkorkstes Leben, all das was er mir zerstört und genommen hat, die ganze Energie der ganze Kampf, all die Wut darüber an ihm auslassen. Andererseits der Wunsch ihm verzeihen zu können mich auf das Niveau nicht herabzulassen und Frieden mit ihm zu schliessen. Eigentlich will ich nur einen Weg finden, ihn loszuwerden, für immer aber den scheint es nicht zu geben.  
Angela Moonlight: Welche Gefühle kommen in Ihnen hoch?  
Frida: Wut, Rachegelüste, Angst, Schmerz, Trauer, Hass Verzweiflung, Ekel, das Bedürfnis mich erbrechen zu müssen. Ich fühle mich wie ein Kessel vollgestopft von Gefühlen, die mir die Luft abschnüren, die durch mich durch fließen wie siedendes stinkendes Fett, dass sich durch meine Körper und meine Seele frisst und ich will einfach nur platzen auseinanderspringen, den Teil aus mir rausreissen und in der Kanalisation versenken.  Angela Moonlight: Was hat das Wort „ Lebenslänglich für eine Bedeutung für Sie?  
Frida: Das Wort ist das einzige, was für mich als notwendige Strafe in Betracht kommt bei Sexualstraftätern. Entweder "Lebenslänglich" einsperren oder Kastration, die dem Täter auch auf Lebenszeit Einhalt gebieten würde, so ein Mensch darf nicht frei herumlaufen, ich wünsche keinen Menschen dieser Welt, dass er das erleiden muss, was ich erleiden durfte 
Angela Moonlight: Noch einmal zu Ihnen zurück. Nach diesem Interview wie geht es Ihnen jetzt? 
Frida: Mir ging es eben schon so mies, da passten die Fragen wunderbar um zumindest ein bisschen von meiner Wut ablassen zu können, aber ehrlich gesagt geht es mir kein Stück besser. Ich habe noch immer das Gefühl ich könnte platzen, ich bin wütend und traurig und verzweifelt und ängstlich und unruhig und kann nicht schlafen und die Vorstellung diesem Menschen gegenübertreten zu müssen, hat bei mir fast getriggert und ich habe die Gefühle schnell wieder mal verdrängt, so wie ich es Jahre lang komplett gemacht habe.  
Angela Moonlight: Ich kann mir vorstellen dass Sie emotional sehr stark angespannt sind. Gibt es jemanden mit dem Sie dies nun aufarbeiten können. Eine Therapeutin, eine Freundin oder sogar eine Ärztin`? Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie nun alleine bleiben.  
Frida: Nein ich habe z.Z. niemanden wirklich zum reden, komme momentan nicht aus meinem Loch raus und bin nur Nachts wach, kann also keinen Theraputen mir suche nach meinem Umzug. Na ja wer ist schon Nachts wach zum reden? Ich fühle mich ausserdem ausgelaugt bis zum geht nicht mehr und schaffe es kaum aus dem Haus um Lebensmittel zu kaufen vor Müdigkeit. Wäre doch mal eine Erfindung für solche Fälle wie mich, eine Online Chattherapie zu gründen, wo man von erfahrenen Therapeuten beraten wird rund um die Uhr, für mich ist es eine unvorstellbar große Hürde irgendwo in der Stadt zu einem Therapeuten gehen zu müssen. Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?  
Frida: Seelenfrieden, zumindest so weitgehend, dass ich nach Jahren endlich wieder schlafen kann!!!!!!!  
Angela Moonlight: Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und bedanke mich, für dieses offene Gespräch! 
      
Interview mit Vera  Angela Moonlight: Sind Sie in der Lage, über Ihren Missbrauch zu sprechen?  
Vera : Kommt darauf an, mit wem. Ich kann es inzwischen aussprechen, dass ich missbraucht wurde. Einzelheiten kann ich nur sehr vertrauten Personen gegenüber schildern, und das auch nur in Andeutungen. Angela Moonlight: Welche Art von Missbrauch ist Ihnen widerfahren?  Vera : Sexueller und psychischer Missbrauch.  Angela Moonlight: Fand der Missbrauch durch Fremde oder durch Familienmitglieder statt?  Vera : Beides.  Angela Moonlight: Wie lange liegt das schreckliche Ereignis zurück?  
Vera : Der Missbrauch durch meinen Vater begann als ich noch sehr klein war. Es ist schwer, „das schreckliche Ereignis in eine Zeit zu pressen. Es ging über Jahre. Und missbraucht wurde ich auch von anderen bis ins Erwachsenenalter.  Angela Moonlight: Hatten Sie jemanden, mit dem Sie darüber sprechen konnten?  
Vera : Nein, wie auch, ich hatte als kleines Kind keine Worte dafür und wusste genau, dass ich lieber die Klappe halte. Später war es mir zu peinlich, beispielsweise von einer Vergewaltigung zu berichten.  
Angela Moonlight: Wenn ja, wer? Hat man ihnen geglaubt?/ Wenn Nein, wie sind Sie damit umgegangen?  
Vera : Ich habe es verdrängt. Selbst Dinge, die mir im Erwachsenenalter passiert sind, habe ich gut verdrängen können.  
Angela Moonlight: Wie konnten Sie das schreckliche Ereignis verarbeiten? Konnten Sie es überhaupt?  Vera : Ich bin gerade dabei, es zu verarbeiten. In jahrelanger Therapie.  
Angela Moonlight: Können Sie sich daran erinnern, wann Sie das erste Mal darüber gesprochen haben, in der Therapie, beim Arzt, mit einer Freundin?  Vera : Das erste Mal war in einer Therapie.  
Angela Moonlight: Alle Opfer von Missbrauch leiden unter verschiedenen Symptomen. Können Sie mir sagen, wie Ihre Symptome aussehen? Hatten Sie schon mal Selbstmordgedanken?  
Vera : Panikattacken, Depressionen, Schmerzen am ganzen Körper, Schlafstörungen, Angstzustände.. Habe oft Schwierigkeiten, richtig in der Realität zu sein, dissoziiere manchmal, bin oft nicht im geringsten belastbar. Selbstmordgedanken hatte ich oft.  Angela Moonlight: Was tun Sie, damit es Ihnen besser geht?  
Vera : Ich versuche, mich damit auseinanderzusetzen. Wenn es mir schlecht geht, unternehme ich meistens nichts zur Besserung, ich registriere ziemlich bald.  Angela Moonlight: Befinden Sie sich derzeit in einer Therapie?  
Vera : Ja, seit einigen Jahren.  Angela Moonlight: Wie viele Therapien haben Sie schon gemacht?  Vera : Vier.  Angela Moonlight: Meine Therapieformen waren alle ambulant, wie ist das bei Ihnen?  Vera : Therapie war stationär, die anderen ambulant.  Angela Moonlight: Wenn stationär, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?  
Vera : Das war vor ca. 20 Jahren, da wusste ich noch nichts von dem Missbrauch. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen gemacht, wurde nicht so richtig ernst genommen, wie auch die anderen Patienten dort.  
Angela Moonlight: Wurde die Therapie medikamentös begleitet? Wenn ja, wie ging es Ihnen damit?  
Vera : In der Klinik nicht .Später hatte ich Medikamente. Mir ging es nicht gut, nichts hat mir so richtig geholfen.  Angela Moonlight: Leiden Sie unter Nebenwirkungen der Medikamente? Wenn ja, welche?  
Vera : Ja, ich litt unter Nebenwirkungen. Welche? Alles mögliche, Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel. Sehstörungen.....  Angela Moonlight: Müssen Sie die Medikamente immer noch nehmen?  Vera : Nein, derzeit nehme ich keine, denn die haben mir nicht geholfen. 
Angela Moonlight: Ich habe mich vor längerer Zeit zu einem schwierigen Schritt durchgerungen. Ich habe gegen die noch lebenden Täter Strafanzeige gestellt. Haben auch Sie Strafanzeige gestellt? Wenn Ja wie waren Ihre Erfahrungen damit?  Vera : Nein. Ich habe ja keine Beweise  
Angela Moonlight: Nächster schwerer Schritt war der Antrag auf Opferentschädigung beim Amt für soziale Angelegenheiten. Haben auch Sie einen solchen Antrag gestellt?  Vera : Nein.  Angela Moonlight: Wenn ja wie sind Ihre Erfahrungen mit dem OEG?  Vera : Keine  Angela Moonlight: Fühlen sie sich verstanden und unterstürzt?  Vera : Nein  
Angela Moonlight: Was würden sie sich von einer solchen Einrichtung oder vom Staat wünschen?  
Vera : Die Anerkennung darüber, dass ich nicht arbeiten kann aus diesen Gründen und nicht minderwertiger deswegen bin.  Angela Moonlight: Was wissen sie über Verjährungsfristen?  
Vera : Nicht viel. Habe mich mal erkundigt, aber es betrifft mich nicht, da ich keine Anzeige erstatten werde.  
Angela Moonlight: Denken Sie, dass die Zeit ausreichend ist für die Opfer, um Strafanzeige zu erstatten?  
Vera : Nein, finde ich nicht, ich bin der Meinung, für so was darf es keine Verjährungsfrist geben.  
Angela Moonlight: Wer erhält Ihrer Erfahrung nach mehr Unterstützung und Schutz, das Opfer oder der Täter?  
Vera : Sicherlich der Täter. Schon wenn ich daran denke, dass mir niemand die Therapiekosten erstattet, und ich mit Sozialhilfe das stemmen muss....  Angela Moonlight: Leben Sie in einer Beziehung?  Vera : Ja, ich habe eine Freundin seit einem halben Jahr.  Angela Moonlight: Wie gestaltet sich diese Beziehung?  
Vera : Wir sind beide Betroffene, daher gibt es viel Verständnis. Wir leben nicht zusammen, sehen uns aber oft.  Angela Moonlight: Weiß ihre Partnerin von Ihrer Vergangenheit?  Vera : Ja.  Angela Moonlight: Wie geht sie damit um?  Vera : Sehr sensibel, wir müssen viel miteinander sprechen.  
Angela Moonlight: Wie steht es mit dem Vertrauen in Ihrer Beziehung? Was bedeutet das Wort Liebe für sie, was Angst.  
Vera : Mit dem Vertrauen habe ich so meine Schwierigkeiten. Ich kann aber sagen, dass ich noch nie zu jemandem so viel Vertrauen hatte, wie jetzt zu meiner Freundin. Liebe? Bei sich bleiben zu können ohne Angst, den anderen zu verlieren. Den anderen zu sehen, ohne das Gefühl zu haben, sich aufopfern zu müssen. Angst? Kann ich nicht beantworten, was das bedeutet. Ich weiß nur, dass ich ständig Angst habe.  Angela Moonlight: Weiß ihre Familie um ihre Erfahrungen? Wenn ja, wie gehen sie damit um?  
Vera : Ja, ich habe es erzählt. Die Reaktion war nicht ablehnend, aber darauf eingegangen ist keiner, es wird verdrängt, wir schweigen mehr oder weniger darüber.  Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich von ihrer Familie?  Vera : Dass mir geglaubt wird, dass sie auf meiner Seite steht.  
Angela Moonlight: Eine Frage, die man mir persönlich häufig stellt, die ich allerdings nicht bejahen kann ist: Hast du das erlebte verarbeitet, bist du geheilt, hört das jemals auf? Kennen auch sie solche Fragen? Wie sind ihre Ansichten dazu.  
Vera : Solche Fragen kenne ich. Geheilt werde ich wohl nie sein, verarbeiten? Weiß nicht, wie das aussehen soll. Das sind so Begriffe, mit denen ich nichts anfangen kann. Ich denke, „erledigen kann man ein solches Trauma nie.  
Angela Moonlight: Abschließend möchte ich noch ein paar Fragen in Richtung Täter stellen. Glauben Sie, sie schaffen es mir diese zu beantworten?  Vera : Ja.  Angela Moonlight: Was denken sie über ihren Täter/ ihre Täter?  
Vera : Manchmal habe ich einfach nur Wut und will Rache. Manchmal denke ich, dass das Menschen sind, die aus irgendwelchen Gründen sehr gestört sind. Ich will mich aber nicht mehr damit auseinander setzen, warum die das gemacht haben. Ich denke, die können sich zurück lehnen, so tun als wäre nichts gewesen und haben keine Ahnung, wie es mir damit geht. Ich wünsche mir, dass sie wenigstens die Schuld empfinden, die sie eigentlich tragen Angela Moonlight: Wenn sie bestraft wurden, glauben Sie, die Strafe ist ausreichend? Vera : Sie wurden nicht bestraft.  Angela Moonlight: Denken sie, in einem solchen Fall kann es Gerechtigkeit geben?  Vera : Nein, wie soll das gehen, wie soll man das gegeneinander aufwiegen.  Angela Moonlight: Wenn sie ihrem Täter alles sagen könnten.......was würden sie sagen?  Vera : Ich würde ihm klar machen, was für ein Verbrecher er ist.  
Angela Moonlight: Welche Gedanken und Vorstellungen gehen in ihrem Kopf herum, wenn sie an diesen Menschen oder diese Menschen denken.  
Vera : Unterschiedliche. Entweder Rachegedanken oder der Wunsch, dass diese Menschen verstehen, was sie mir angetan haben.  Angela Moonlight:  Welche Gefühle kommen ihnen hoch?  
Vera : Wut und Verzweiflung. Ich weiß nicht, wohin mit meiner Wut, ich komme da nicht an, werde nicht gehört. Angst vor der Rache der Täter, wenn ich mit dem Finger auf sie zeigen würde.  Angela Moonlight: Was hat das Wort Lebenslänglich für eine Bedeutung für Sie?  
Vera : Ich denke daran, dass ich lebenslänglich mit den Folgen des Missbrauchs daran gehindert bin, ein erfülltes Leben zu führen. Keine Chance für mich.  
Angela Moonlight: Noch einmal zu Ihnen zurück. Nach diesem Interview- wie geht es Ihnen jetzt?  
Vera : Nicht besser oder schlechter als vorher, denn ich bin ständig mit diesen Themen beschäftigt. Es wühlt mich nicht mehr auf als es sonst schon tut.  
Angela Moonlight: Ich kann mir vorstellen dass Sie emotional sehr stark angespannt sind. Gibt es jemanden mit dem Sie dies nun aufarbeiten können. Eine Therapeutin, eine Freundin oder sogar eine Ärztin`? Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie nun alleine bleiben.  Vera : Ich habe Menschen, mit denen ich darüber reden kann.  Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?  
Vera : Dass ich alltägliche Dinge erledigen kann, ohne in Panik zu verfallen, dass ich Beziehungen zu Mitmenschen aufnehmen kann, dass ich arbeiten gehen kann, dass ich nicht in jedem Augenblick daran erinnert werde, wie „behindert ich eigentlich bin.
    
Interview Gespräch mit Tina  Angela Moonlight: Sind Sie in der Lage über Ihren Missbrauch zu sprechen?  
Tina: Sprechen ist schwierig, denn alles, was man ausspricht wird real. Schreiben geht ab und an, aber auch nicht sehr gut. Ich kann sagen, dass etwas war, aber nicht über Details sprechen.  Angela Moonlight: Welche Art von Missbrauch ist Ihnen widerfahren?  Tina : Sexueller und psychischer Missbrauch  Angela Moonlight: Fand der Missbrauch durch Fremde oder durch Familienmitglieder statt?  Tina: Nicht innerhalb der Familie, aber auch nicht durch Fremde  Angela Moonlight: Wie lange liegt das schreckliche Ereignis zurück?  Tina: 15 Jahre; 5 – 9 Jahre  Angela Moonlight: Hatten Sie jemanden mit dem Sie darüber sprechen konnten?  
Tina: Jein, ich habe öfter versucht, mich mitzuteilen, aber meist stieß ich auf Unglaube, Unverständnis oder Überforderung  Angela Moonlight: Wenn ja wer? Hat man Ihnen geglaubt?  Tina: Eine ältere Freundin aus dem Sportverein glaubte mir und versuchte mir zu helfen  Angela Moonlight: Wenn Nein, wie sind Sie damit umgegangen?  
Tina: Einige Gleichaltrige glaubten mir nicht, weil sie nicht verstanden, warum ich so lange geschwiegen hatte und weil sie vermutlich überfordert waren  
Angela Moonlight: Wie konnten Sie das schreckliche Ereignis verarbeiten? Konnten Sie es überhaupt?  
Tina: Ich weiß nicht genau, ab wann man so was „verarbeitet“ hat... Ein Lehrer sagte früher immer, die Zeit heilt alle Wunden... Dem kann ich nicht zustimmen...  
Angela Moonlight: Können Sie sich daran erinnern wann Sie das erste Mal darüber gesprochen haben, in einer Therapie, beim Arzt, mit einer Freundin?  
Tina: Ich weiß, dass ich meiner Freundin aus dem Sportverein einen Brief schrieb, wirklich gesprochen habe ich bis heute nicht darüber  
Angela Moonlight: Alle Opfer von Missbrauch leiden unter verschiedenen Symptomen. Können Sie mir sagen wie Ihre Symptome aussehen? Hatten Sie schon einmal Selbstmordgedanken?  
Tina: Depressionen, Alpträume, Angst und Panik, SvV, kein Vertrauen anderen und mir selbst gegenüber... An Selbstmord habe ich nicht nur einmal gedacht und auch heute kommt es ab und an vor  Angela Moonlight: Was tun Sie damit es Ihnen besser geht?  Tina: Ich versuche mich abzulenken und/oder stürze mich in Arbeit  Angela Moonlight: Befinden Sie sich derzeit in einer Therapie?  Tina: Nein  
Angela Moonlight: Ich meiner Seits, habe schon einige Therapien hinter mir. Im Moment läuft meine letzte Therapie aus. Wie viele Therapien haben Sie schon gemacht?  
Tina: Ich habe einige Anläufe unternommen, aber bisher noch keinen Therapeuten gefunden, zu dem ich Vertrauen fassen konnte, so dass das immer ziemlich schnell wieder vorbei war.  Angela Moonlight: Meine Therapieformen waren alle ambulant. Wie ist das bei Ihnen?  Tina: -  Angela Moonlight: Wenn stationär, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?  Tina: keine  
Angela Moonlight: Wurde die Therapie Medikamentös begleitet? Wenn ja wie ging es Ihnen damit?  Tina: nein  Angela Moonlight: Leiden Sie unter Nebenwirkungen der Medikamente? Wenn ja welche?  Tina: -  Angela Moonlight: Müssen Sie die Medikamente immer noch einnehmen?  Tina: -  
Angela Moonlight: habe mich vor längerer Zeit zu einem schwierigen Schritt durchgerungen. Ich habe gegen die noch lebenden Täter Strafanzeige gestellt. Haben auch Sie Strafanzeige gestellt? Wenn Ja wie waren Ihre Erfahrungen damit?  
Tina: Nein, ich habe keine Anzeige gemacht... Nachdem ich einmal schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht habe, habe ich es mich nicht mehr getraut. Es würde auch nichts ändern und ich habe keine Beweise. Einer der Täter saß schon mehrfach im Gefängnis...  
Angela Moonlight: Nächster schwerer Schritt war der Antrag auf Opferentschädigung beim Amt für soziale Angelegenheiten. Haben auch Sie einen solchen Antrag gestellt?  Tina: nein  Angela Moonlight: Wenn ja wie sind Ihre Erfahrungen mit dem OEG?  Tina: -  Angela Moonlight: Fühlen Sie sich verstanden und unterstützt?  Tina: -  
Angela Moonlight: Was würden Sie sich von einer solchen Einrichtung oder vom Staat wünschen?  
Tina: Ich würde mir wünschen, dass es nicht die Opfer sind, die Beweise erbringen müssen. Leider gibt es schwarze Schafe, die versuchen, diese Einrichtung auszunutzen, so dass Opfern, die wirklich Anspruch darauf erheben könnten, sich oft nicht trauen, diesen ganzen Begutachtungsmarathon auf sich zu nehmen!  Angela Moonlight: Was wissen Sie über die Verjährungsfristen?  Tina: Ab 18 hat Vergewaltigung 10 Jahre, wenn ich mich Recht erinnere...  
Angela Moonlight: Denken Sie dass die Zeit ausreichend für die Opfer ist um Strafanzeige zu erstatten?  
Tina: Ich finde das ist ziemlich kompliziert, denn je länger man wartet, desto schwieriger ist es, etwas konkret nachzuweisen. Trotzdem brauchen viele lang, bis sie endlich darüber reden können bzw. dann auch Anzeige machen können. Grundsätzlich denke ich, dass es dafür keine Verjährungsfrist geben darf, denn für die Opfer verjährt das nie!  
Angela Moonlight: Wer erhält Ihrer Erfahrung nach mehr Unterstützung und Schutz, das Opfer oder der Täter?  Tina: Die Täter, definitiv!  Angela Moonlight: Ein paar Fragen zu Ihrem näheren Umfeld. Leben Sie in einer Beziehung?  Tina: Ja  Angela Moonlight: Wie gestaltet sich diese Beziehung?  
Tina: Seit über 4 Jahren bin ich mit meinem gleichaltrigen Freund zusammen; wir leben auch zusammen und es ist die erste Beziehung, die in keinster Weise manipulativ oder bedrohlich ist.  Angela Moonlight: Weiß Ihr Partner/ihre Partnerin von Ihrer Vergangenheit?  Tina: teilweise  
Angela Moonlight:  Wie geht er/sie damit um?  
Tina: Er ist überfordert. Oft fragt er mich, ob ich schon darüber hinweg bin... Was soll ich dann sagen?  
Angela Moonlight:  Wie steht es mit dem Vertrauen in Ihrer Beziehung? Was bedeutet das Wort Liebe für Sie? Was das Wort Angst?  
Tina: Vertrauen ist für mich sehr schwer, weil ich mir selbst, meinen Erinnerungen und Gefühlen nicht traue. Dennoch vertraue ich meinem Freund so weit ich es kann. Liebe ist für mich schwer zu definieren, ich denke, es kommt darauf an, den anderen so anzunehmen wie er ist, mit all seinen Macken und Fehlern. Angst ist eine unglaublich umfassende Empfindung, die sich wie Gift in alle deine Zellen schleichen und dich handlungsunfähig machen kann. Außerdem verhindert sie, dass man gute und neue Erfahrungen und Veränderungen machen bzw. zulassen kann.  Angela Moonlight: Weiß Ihre Familie um Ihre Erfahrungen? Wenn ja wie gehen Sie damit um?  Tina: nein  Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich von Ihrer Familie?  Tina: Das Gefühl, nicht immer schuld zu sein  
Angela Moonlight: Eine Frage die man mir persönlich häufig stellt, die ich allerdings nicht bejahen kann ist: Hast du das erlebte verarbeitet? Bist du geheilt? Hört das jemals auf? Kennen auch Sie solche Fragen? Wie sind Ihre Ansichten dazu?  
Tina: Natürlich kenne ich diese Fragen, auch wenn sie für mich im Moment nicht sehr aktuell sind, da ich mich noch nicht sehr intensiv mit allem auseinandergesetzt habe und im Moment eher am Wegschieben bin. Dennoch glaube ich, dass „Heilung möglich ist. „Vergessen sicher nicht, aber ein Leben, in dem man damit umgehen und seinen Alltag meistern kann!  
Angela Moonlight: Abschließend möchte ich noch ein paar Fragen in Richtung Täter stellen. Glauben Sie, sie schaffen es mir diese zu beantworten?  Tina: ja  Angela Moonlight:  Was denken Sie über Ihren Täter/ihre Täter?  Tina: Ich habe Mitleid  Angela Moonlight: Wenn sie bestraft wurden, glauben Sie, die Strafe ist ausreichend?  Tina: Sie wurden nicht bestraft  Angela Moonlight: Denken Sie, in einem solchen Fall kann es Gerechtigkeit geben?  
Tina: Was ist schon gerecht in diesem Fall... Ist es gerecht, noch ein Menschenleben zu zerstören? Absolute Gerechtigkeit wird es nie geben können, das gilt nicht nur für Missbrauch. Gerechtigkeit hängt sehr an den Normen der Gesellschaft...  
Angela Moonlight: Wenn Sie ihrem Täter alles sagen könnten ohne dass er Sie bedrohen oder angreifen kann, was würden Sie ihm sagen?  
Tina: Schwer zu sagen, ich glaube, ich würde nach dem warum fragen.  
Angela Moonlight: Welche Gedanken und Vorstellungen gehen in Ihrem Kopf herum, wenn Sie an diesen Menschen oder diese Menschen denken?  
Tina: Ich hoffe, dass ich sie nie wieder sehen muss. Rachegedanken oder ähnliches habe ich allerdings nicht.  Angela Moonlight: Welche Gefühle kommen in Ihnen hoch?  Tina: Angst, Zweifel  Angela Moonlight: Was hat das Wort „ Lebenslänglich für eine Bedeutung für Sie?  
Tina: Lebenslänglich klingt für mich unendlich, ein Zeitraum, den ich im Moment nicht abschätzen kann.  
Angela Moonlight: Noch einmal zu Ihnen zurück. Nach diesem Interview wie geht es Ihnen jetzt?  Tina: Ich fühle mich ein bisschen aufgewühlt.  
Angela Moonlight: Ich kann mir vorstellen dass Sie emotional sehr stark angespannt sind. Gibt es jemanden mit dem Sie dies nun aufarbeiten können. Eine Therapeutin, eine Freundin oder sogar eine Ärztin`? Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie nun alleine bleiben.  Tina: Ich werde einen Weg für mich finden.  Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?  
Tina: Ich möchte gerne mein Studium abschließen und in meinem Beruf arbeiten können; mit meinem Freund glücklich sein und irgendwann so weit sein, den Missbrauch aufzuarbeiten und hinter mir zu lassen.  
Angela Moonlight: Ich danke Ihnen recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben und das Sie den Mut aufgebracht haben, sich diesen Fragen und somit dem traumatischen Ereignis erneut zu stellen.   
  Interview mit Elly  Angela Moonlight: Sind Sie in der Lage, über Ihren Missbrauch zu sprechen?  
Elly: Ja, mittlerweile ! Und ich spreche es auch offen aus !Ich denke, ich habe Lange genug geschwiegen !  Angela Moonlight: Welche Art von Missbrauch ist Ihnen widerfahren?  Elly : Sexueller und psychischer Missbrauch.  Angela Moonlight: Fand der Missbrauch durch Fremde oder durch Familienmitglieder statt?  
Elly : Durch meinen eigenen Erzeuger, sorry aber das Wort "Vater" hat dieser Mensch wirklich nicht verdient !  Angela Moonlight: Wie Lange liegt das schreckliche Ereignis zurück?  
Elly : Der letzte Missbrauch durch ihn liegt nun 15 Jahre zurück ! Der Missbrauch fing mit 10 an und endete als ich 21 Jahre alt war !  Angela Moonlight: Hatten Sie jemanden, mit dem Sie darüber sprechen konnten? 
Elly: Bis vor 3 Jahren nicht ! Ich habe als Kind versucht darüber zu reden . Dann habe ich viele Jahre geschwiegen ,wollte doch he keiner hören . Vor 3Jahren ist es dann aus mir heraus gebrochen ! Mein Freund war ziemlich vor den Kopf geschlagen, hat aber die ganze Nacht zugehört und ist an Morgen mit mir Zur Polizei um Anzeige zu erstatten ! Er hat die ganze Zeit zu mir gestanden !  Angela Moonlight: Wenn ja, wer? Hat man ihnen geglaubt? 
Elly: Wie gesagt mein Lebensgefährte! Ja, ER hat mir geglaubt und beigestanden ! Leider hat es unsere Beziehung so belastet das wir heute kein Paar mehr sind ,allerdings sind wir Freunde ! Und ich meine damit richtige Freunde ! 
  Angela Moonlight: Wie konnten Sie das schreckliche Ereignis verarbeiten? Konnten Sie es überhaupt?  
Elly: Ich bin gerade dabei, es zu verarbeiten. Das heißt aufzuarbeiten, weil ich persönlich glaube nicht das man sowas Verarbeiten kann. Es hat so viel von meinem Leben eingenommen ,das man es nicht wegdenken kann . Man kann nur lernen damit umzugehen ! Eine Therapie hat mir leider nicht helfen können ,weil ich dort nicht in der Lage war zu reden !  
Angela Moonlight: Können Sie sich daran erinnern, wann Sie das erste Mal darüber gesprochen haben, in der Therapie, beim Arzt, mit einer Freundin?  
Elly : Das erste Mal war mit 13 Jahren mit einer Freundin meiner Großmutter,leider glaubte sie mir nicht !  
Angela Moonlight: Alle Opfer von Missbrauch leiden unter verschiedenen Symptomen. Können Sie mir sagen, wie Ihre Symptome aussehen?  
Elly: Ich bin nicht sehr belastbar ! Ich habe oft Depressionen oder Angstzustände ! An schlimmsten für mich ist meine Bindungsunfähigkeit und die ewigen Selbstzweifel ,Selbstvertrauen war Lange ein Zeit ein Fremdwort für mich ! Halte mich immer wieder für wertlos und nicht liebenswert ! Desweitern habe ich Schlafstörungen ,leide unter der Borderline- Spaltung ,habe Angst und Panikzustände , Bin immer unruhig, habe einen inneren Drang alles Perfekt machen zu müssen, ich leide unter Essstörungen und auch an Magen-Darm Beschwerden und Übelkeit. Sexualität war Lange für mich ein notwendiges Übel um Geliebt zu werden! Heute allerdings kann ich Sexualität zulassen und es sogar genießen !  
Angela Moonlight: Hatten Sie schon mal Selbstmordgedanken?  
Elly: Ja ,am schlimmsten war es nach der Anzeigeerstattung !  
Angela Moonlight: Was tun Sie, damit es Ihnen besser geht?  
Elly: Reden ! Ich habe für mich festgestellt, das je mehr ich darüber rede, desto besser geht es mir !  
Angela Moonlight: Befinden Sie sich derzeit in einer Therapie?  
Elly : Nein ,für mich war das nicht der richtige Weg , halte es aber für sehr wichtig !  
Angela Moonlight: Wie viele Therapien haben Sie schon gemacht?  
Elly : Eine  
Angela Moonlight: Meine Therapieformen waren alle ambulant, wie ist das bei Ihnen?  
Elly : Diese eine Therapie war ambulant.  
Angela Moonlight: Wurde die Therapie medikamentös begleitet? Wenn ja, wie ging es Ihnen damit?  
Elly: Ich habe die Medikamente abgelehnt !  
Angela Moonlight: Ich habe mich vor längerer Zeit zu einem schwierigen Schritt durchgerungen. Ich habe gegen die noch lebenden Täter Strafanzeige gestellt. Haben auch Sie Strafanzeige gestellt? Wenn Ja wie waren Ihre Erfahrungen damit?  
Elly : Ja, ich habe ihn angezeigt ! Ich hatte das Glück nur auf nette und verständnisvolle Menschen zu treffen ! Allerdings hat es nach der Anzeige zwei Jahre gedauert ,bis es zur Verhandlung kam . Eine extrem belastende Zeit ! Das Urteil war ein schlechter Scherz ,da ich zu diesen Zeitpunkt schon 32 Jahre alt war, konnte ER nur noch für die Vergewaltigungen nach meinem 18 ten Lebensjahr bestraft werden .Und da ER gestanden hat, bekam ER 1 Jahr auf Bewährung ! 
Angela Moonlight: Nächster schwerer Schritt war der Antrag auf Opferentschädigung beim Amt für soziale Angelegenheiten. Haben auch Sie einen solchen Antrag gestellt?  
Elly : Nein ,ich wusste nicht das ich so etwas machen kann !  
Angela Moonlight: Fühlen sie sich verstanden und unterstürzt?  
Elly : Vom Behörden oder so eher nicht ! Allerdings fühle ich mich mittlerweile von meinen Freunden sehr gut verstanden !  
Angela Moonlight: Was würden sie sich von einer solchen Einrichtung oder vom Staat wünschen?  
Elly : Ich würde mir wünschen das Behörden nicht so oft untätig bleiben wenn sie Hinweise bekommen ! Ich habe keine Erwartungen mehr an diesen Staat ,ich denke wir müssen uns selber helfen !  
Angela Moonlight: Was wissen sie über Verjährungsfristen?  
Elly : Habe davon bei der Anzeigenerstattung erfahren und war geschockt ! Da wird den Opfern vorgeschrieben wann sie reden müssen und wenn sie es bis zu ihrem 28ten Lebensjahr nicht schaffen, sagt man Pech zu spät. Das ist krank !  
Angela Moonlight: Denken Sie, dass die Zeit ausreichend ist für die Opfer, um Strafanzeige zu erstatten?  
Elly : Nein, ich zum Beipiel habe zu lange gebraucht, so konnte er nur noch für die Vergewaltigung nach meinem 18 Lebensjahr bestraft werden ! Das eine Opfer kann früher reden ,das andere später ,einige leider nie ! Aber das man Sie mit der Verjährung nochmal straft halte ich für krank. Da werden die Täter mit belohnt ,das sie es geschafft haben uns so Lange zum Schweigen zu bringen !  
Angela Moonlight: Wer erhält Ihrer Erfahrung nach mehr Unterstützung und Schutz, das Opfer oder der Täter?  
Elly: Sicherlich der Täter. Aber das wundert mich nicht wirklich ,weil wir haben in Deutschland schon immer in einer Tätergesellschaft gelebt !  
Angela Moonlight: Leben Sie in einer Beziehung?  
Elly : Nein zur Zeit nicht ! Allerdings habe ich bis vor kurzen in einer Beziehung gelebt !  
Angela Moonlight: Wie gestaltete sich diese Beziehung?  
Elly : Oft schwierig ! Ich bin kein einfacher Mensch ! Ich vertraue nur schwer und wenn dann bin ich sehr explosiv wenn ich das Gefühl habe das man mein Vertrauen missbraucht !  
Angela Moonlight: Wusste ihre Partner von Ihrer Vergangenheit?  
Elly : Ja. Nach zwei Jahren Beziehung hat er davon erfahren !  
Angela Moonlight: Wie ging er damit um?  
Elly : Sehr sensibel, wir mussten und müssen noch heute viel miteinander sprechen. Ohne ihn hätte ich nie den Mut gehabt so offen zu reden wie ich das heute tue ! Er ist auch heute noch meine Stütze wenn mich die Gefühle überrollen !  
Angela Moonlight: Wie steht es mit dem Vertrauen in Ihrer Beziehung? Was bedeutet das Wort Liebe für sie, was Angst?  
Elly : Vertrauen ,ein schwieriges Thema ! Ich kann nicht wirklich vertrauen ,glaube ich ! Ich neige dazu immer Verrat zu wittern ! Liebe , ein wunderbares Gefühl glaube ich ! Ich weiß das ich abgrundtief lieben kann, aber ich kann diese Liebe von einem anderen Menschen nur schwer annehmen ! Weil sich dann immer der Gedanke einmischt "Du bist wertlos ,warum sollte er/ sie dich lieben ! Wird wohl noch ein langer Weg ! Angst? Ich weiß , dass ich ständig Angst habe. Angst verletzt zu werden. Angst zu wenig zu geben . Angst keine gute Mutter zu sein !  
Angela Moonlight: Weiß ihre Familie um ihre Erfahrungen? Wenn ja, wie gehen sie damit um?  
Elly: Ja. Meine Mutter hat den Kontakt abgebrochen ! Meine Schwester die ich jahrelang vor meinem ERZEUGER versucht habe zu beschützen, will auch nix mehr von mir wissen . 2 meiner Kinder wissen es noch nicht ,allerdings weiß mein ältester Sohn davon . War nicht geplant, hat es zufällig mitbekommen ,er redet viel mit mir darüber ,denke mal so richtig verstehen kann er es nicht ! Habe ihm in eine Therapie gegeben damit er es dort mit Profils aufarbeiten kann !  
Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich von ihrer Familie?  
Elly : Meine Familie besteht für mich nur noch aus meinen Kindern und von ihnen erhoffe ich mir später einmal das sie es verstehen und zu mir stehen !  
Angela Moonlight: Eine Frage, die man mir persönlich häufig stellt, die ich allerdings nicht bejahen kann ist : Hast du das erlebte verarbeitet, bist du geheilt, hört das jemals auf? Kennen auch sie solche Fragen? Wie sind ihre Ansichten dazu?  
Elly : Solche Fragen kenne ich nur zu gut . Geheilt ? Ich glaube nicht das man die Seele heilen kann ! Körperlich wird es sicher besser werden ! Aufhören ? Nein ,ich denke es hört nie auf es wird nur erträglicher !  
Angela Moonlight:  Abschließend möchte ich noch ein paar Fragen in Richtung Täter stellen. Glauben Sie, sie schaffen es mir diese zu beantworten?   
Elly :Ja.  
Angela Moonlight:  Was denken sie über ihren Täter/ ihre Täter?  
Elly : Wollen Sie wirklich eine Antwort auf diese Frage ? Er ist das Letzte für mich ! Er hat mir meine Kindheit genommen! Er hat mich fast zerstört und auf das Leben meiner Kinder durch seine Taten Einfluss genommen ! Aber ich kann ihn nicht hassen, wenn Sie das meinen ! Um zu hassen ,muss man lieben ! Ich empfinde nichts mehr für Ihn ,gar nichts! Eine Freundin fragte mich vor ein paar Wochen ob ich glücklicher wäre ,wenn er Tod wäre ! Meine Antwort : Es ist mir egal ob ER lebt oder nicht ! Für mich ist er ein Nichts geworden und spielt keine Rolle mehr in meinem Leben ! Er hat es lange genug beherrscht und ich werde es nicht zu lassen das er es weiterhin tut ! Deshalb spielt es keine Rolle für mich !  
Angela Moonlight: Wenn sie bestraft wurden, glauben Sie, die Strafe ist ausreichend?  
Elly: Nein ! Aber keine Strafe der Welt ,kann mir meine Kindheit wiedergeben !  
Angela Moonlight: Denken sie, in einem solchen Fall kann es Gerechtigkeit geben?  
Elly: Nein, geht auch nicht ! Denke aber auch ,das nicht die Gerechtigkeit uns dazu bewegt hat ,Anzeige zu erstatten . Anzeige habe ich für mich erstattet ,damit ich mich von ihm befreien kann. Den solange ich geschwiegen habe, hatte er Macht über mich ! Jetzt hat er keine mehr !  
Angela Moonlight: Wenn sie ihrem Täter alles sagen könnten.......was würden sie sagen?  
Elly : Habe nicht mehr das Bedürfnis ihn etwas zu sagen ! Verstehen würde er sowieso nix ! Kurz nach Anzeige Erstattung wollte ich ihm was sagen, habe einen Brief geschrieben ,den hat er nie bekommen und heute bin ich froh darüber ! Er ist es nicht wert diesen Brief zu lesen !  
Angela Moonlight: Welche Gedanken und Vorstellungen gehen in ihrem Kopf herum, wenn sie an diesen Menschen denken.  
Elly : Unverständnis  
Angela Moonlight: Welche Gefühle kommen ihnen hoch?  
Elly: Manchmal Verzweiflung, deshalb versuche ich nicht an Ihn zu denken!   
Angela Moonlight: Was hat das Wort "lebenslänglich" für Sie für eine Bedeutung? 
Elly : Ja , ich habe Lebenslänglich bekommen !  
Angela Moonlight: Noch einmal zu Ihnen zurück. Nach diesem Interview- wie geht es Ihnen jetzt?  
Elly : Gut ,da ich zur Zeit viel darüber rede ! Ich habe eine Seite gegen Kindesmissbrauch ins Leben gerufen und dort melden sich jeden Tag betroffene Frauen bei mir ! Deshalb kann ich gut darüber reden !  
Angela Moonlight: Ich kann mir vorstellen, dass Sie emotional sehr stark angespannt sind. Gibt es jemanden, mit dem Sie dies nun aufarbeiten können. Eine Therapeutin, eine Freundin oder sogar eine Ärztin`? Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie nun alleine bleiben.  
Elly : Wie gesagt- ich empfinde es nicht als Belastung, sondern als Hilfe, dass ich darüber reden darf ! Aber sollte es mir doch zu nahe gehen, habe ich jemanden der mir beisteht- und das Tag und Nacht !  
Angela Moonlight: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?  
Elly : Das ich lerne, Liebe anzunehmen ,vor allem von meinen Kindern ! Und das die Leute die Augen nicht mehr schließen ! Hinhören und hinsehen !  
Angela Moonlight: Ich danke Ihnen recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben und das Sie den Mut aufgebracht haben, sich diesen Fragen und somit dem traumatischen Erlebnis erneut zu stellen.  
Elly : Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, darüber zu sprechen !  

 

 

 

Interview von ITP  
geführt mit Angela Moonlight  
  
Stellungnahme von Angela Moonlight: 
Ich- als Person Angela Moonlight- distanziere mich ausdrücklich von dem Täterkreis der Pädophilen, ebenso den Tätern allgemein. Sämtliche Interviews, die ich führte und führe, dienen ausschließlich meiner Arbeit und den damit verbundenen und notwendigen Recherchen. Sie unterliegen dem Copyright und dürfen weder kopiert, noch für etwaige andere Zwecke benutzt oder veröffentlicht werden! 
Zuwiderhandlungen sind strafbar gemäß § 11-14. © 2007/2010 Angela Moonlight 

 

Rette mich! -Angela Moonlight
 

Interview mit der Autorin Angela Moonlight. 

ITP: Was waren die Umstände des sexuellen Missbrauchs? Wie alt waren Sie? 

Angela Moonlight: Die Umstände waren folgendermassen: Die ersten Übergriffe haben durch meine Grossvater (der schon seine 5 Töchter missbraucht hatte) stattgefunden, beim spielen wie Hoppe-Hoppe-Reiten usw. Nachts musste ich immer in seinem Bett schlafen. Ich durfte nur Unterhosen tragen, mehr nicht. Er wollte einem ständig in die Unterhosen schauen - wenn man nicht lieb war, so nannte er es, wurde man mit Liebesentzug bestraft. Er hat einem tagelang ignoriert. An das genaue Alter kann ich mich hier nicht erinnern, bzw. wann genau es begann. 

Im Alter zwischen 8-10 Jahren geschah der nächste Missbrauch. Es war der "so genannte "liebe Nachbar" im Haus. Es war ein älterer Mann, damals bestimmt schon 70 Jahre. Er war gehbehindert und hatte einen Gehstock zum gehen. Ich sollte für ihn seine Wohnung putzen. Ich erhielt 2 DM dafür. Geld das meine Familie dringend brauchte. Der Missbrauch ging über längere Zeit und endete mit einer Vergewaltigung. 

Die weiteren Übergriffe ereigneten sich wieder im Rahmen der Familie. Ich fuhr häufig in den Ferien zu meinen Grosseltern. Meine Grossmutter übersah gerne alles was geschah. Ich wusste es nicht besser, für mich war es normal. Im Alter von 9 Jahren war ich mit meiner gesamten Familie dort zu Besuch. In der Nacht kam mein Onkel, der damals schon erwachsen war, zu mir ans Bett. Unter Mordandrohungen und Schlägen missbrauchte und vergewaltigte er mich. Diese Geschehen wiederholten sich bei jedem Besuch. 

Im Alter von 13 Jahren zog meine Mutter mit uns drei Mädchen vorübergehend zu meinem Grossvater und meinem Onkel, der aufgrund seiner Behinderung noch bei ihm lebte. Meine Mutter lies sich zu diesem Zeitpunkt scheiden. Meine Brüder waren im Heim und wir Mädchen mussten mit ihr gehen. Sie war die meiste Zeit mit ihrem Freund unterwegs. Auch hier bedrängte mich mein Onkel erneut und versuchte mich zu vergewaltigen. Mein Grossvater kam dazu und er lies von mir ab. In der Nacht kam mein Grossvater ans Sofa, auf dem ich mit meiner Schwester schlief, und wollte, dass ich zu ihm ins Bett komme. 

Der letzte Übergriff fand im Alter von 13 1/2 Jahren statt. Die Familie hat noch einen Sohn. Er war geschieden, hatte zwei Töchter. Die eine Tochter lebte bei ihm. Er hatte uns früher schon öfters geholfen und unterstützt. Für mich schien er normal zu sein. Er bot mir an, mich dort rauszuholen und mit zu sich zu nehmen. Mir war das recht. a) vertraute ich ihm und b) wollte ich wieder in meine Heimat zu meinen Freunden zurück. Anfänglich fühlte ich mich sicher bei ihm, bis er nachts ins Zimmer kam und mich begrabschte. 

Das Ganze zieht sich also über einen Zeitraum von 8-10 Jahren mit Unterbrechungen. 

Waren auch Ihre Schwestern von diesen Übergriffen betroffen? 

Meine Schwestern waren in so weit betroffen, dass sie Übergriffe durch meinen Grossvater erleiden mussten - laut Ihrer Aussage. 

Haben Sie noch Kontakte zur Familie, bzw. zu Ihren Schwestern? 

Ich hatte immer mal wieder sporadischen Kontakt zu meinen Schwestern. Zu meiner Familie im allgemeinen hatte ich einen recht engen Kontakt bis im letzten Jahr. Nach der Strafanzeige brach alles zusammen, da sie meine Vorgehensweise nicht begrüssten. Selbst zu den Tätern bestand teilweise Kontakt. Das Motto der Familie lautete: "Die Familie ist alles - die Familie muss zusammenhalten". Seit ich denken kann, wollte ich die Liebe meiner Mutter erlangen. Ich habe alles getan, damit sie mich sieht - selbst geschwiegen und so getan als wäre nichts geschehen. 

Fühlen oder fühlten Sie sich von Ihrer Mutter nicht wahr genommen? Oder hat Ihre Mutter alles was passiert war verdrängt? Konnte und wollte sie nicht erkennen was passiert war? 

Ja, ich fühlte mich nicht wahrgenommen bzw. nur dann, wenn sie mich und meine Unterstützung brauchte. Sie erzählte mir später, sie hätte alles was Sie selbst erlebt hätte verdrängt. Ich bin mir heute nicht mehr so sicher, ob sie es verdrängt hatte oder nicht. Ich vertrete die Ansicht, dass ich sehr wohl deutliche Signale gesendet habe. Unterbewusst denke ich, dass sie es wahrgenommen hat aber Angst hatte es an sich heranzulassen. Meiner Meinung nach hätte Sie sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen müssen, wozu Sie damals wie heute nicht in der Lage ist. Sie war Mutter von insgesamt 6 Kindern, hatte eine schwierige Ehe und wir lebten kontinuierlich am Existensminimum. So lange ich denken kann war sie von Depressionen geplagt. Damals wusste ich das nicht - heute kenne ich das Erkrankungsbild und kann mir ein Urteil darüber bilden. 

Können Sie heute offen mit Ihrer Mutter über die Vergangenheit sprechen, jeder jeweils aus seiner Sicht, oder ist das Verhältnis zu gespannt dafür? Empfinden Sie, trotz allem Zuneigung zu Ihrer Mutter? 

Es gab Zeiten in denen ich mit meiner Mutter über meine Vergangenheit sprechen konnte - allerdings immer im Hinblick darauf, dass sie mir schilderte dass ihre Vergangenheit viel schlimmer war als meine. Es kamen immer nur Sätze wie: Ich habe es nicht bemerkt, mir ist nichts aufgefallen, du hättest es deinem Vater sagen müssen, ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wenn das Gespräch auf ihre Familienmitglieder kam, hörte sie zwar zu, konnte es sich jedoch, laut ihrer eigenen Aussage, nicht vorstellen - sie dachte immer das wäre vorbei - sagte Sie. 

In der letzten Zeit ist das Verhältnis gespannt. Ich habe mich distanziert, weil ich keine Unterstützung durch meine Mutter fand. Laut ihrer Aussage bin ich jetzt erwachsen und muss selbst da durch - das muss jeder von uns. Ich habe meine Mutter immer geliebt; ich wollte immer nur ihre Liebe und Zuneigung. Heute bin ich nur noch traurig und die Liebe hat sich zum Teil in Wut, Zorn, Enttäuschung und Angst gewandelt. 

Manchmal fühle ich gar nichts. Lange Zeit dachte ich, es wäre meine Pflicht sie zu lieben und ihr zu verzeihen, da sie meine Mutter ist und mich geboren hat. Viele Jahre habe ich ihr Verhalten damit entschuldigt, dass es ihr immer so schlecht ging, oder dass sie einfach auf Grund dessen was sie erlebt hat nicht lieben kann. Aber an meinen anderen Geschwistern kann ich sehen, dass sie sehr wohl lieben kann. Nun wandeln sich meine Gefühle allmählich in einen luftleeren Raum - ich beginne ihr gegenüber zu erkalten. 

Ihre Schilderungen zeichnen ein Bild einer kalten Atmosphäre innerhalb ihrer Familie. Die Beziehungen zwischen ihren erwachsenen Bezugspersonen schien gespannt und oberflächlich gewesen zu sein. Gab es auch Zeiten der Liebe und Geborgenheit in ihrer Familie? 

Meine Mutter hat mir später immer erzählt, sie hätte meinen Vater nie geliebt. Sie hätte ihn nur geheiratet um sich die Achtung ihres Vaters zu erwerben, die sie verloren hatte, nachdem sie von zu Hause ausgezogen war und alleine gelebt hatte. 

Liebe und Geborgenheit zwischen den Erwachsenen? - sicher nicht. Vielleicht so etwas "wie gut miteinander auskommen". Manchmal hat mein Vater versucht, sich meiner Mutter zu nähern, in dem er sie in den Arm nahm oder auf die Wange küsste. Wenn meine Mutter einen guten Tag hatte, liess sie dies zu, meistens jedoch lehnte sie die Zärtlichkeiten und Nähe meines Vaters ab. 

Sie sorgte auch dafür, dass er uns nicht zu nahe kam. Ganz selten durften wir auf seinem Schoss sitzen. Wenn dies einmal der Fall war und Papa uns auf die Wange geküsst oder mit seinem Stoppelbart an der Wange gekratzt hat, passte Sie immer genau auf, dass es nicht all zu lange dauerte. Mein Vater war eigentlich ein herzlicher Mensch, der den Kontakt zu seinen Kindern suchte. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass mein Vater, niemals irgendwelche Übergriffe gestartet hat. Seine Liebe war und ist sauber und rein - ohne Hintergedanken. 

Wärme und Zärtlichkeit habe ich nur von ihm erfahren. Die Liebe die meine Mutter geben konnte, war für meinen grossen Bruder und meine kleineren Geschwister. Ich musste mir oft sagen lassen, dass sie sich mehr um meine Geschwister als um mich kümmern müsste. Meine Geschwister seien schliesslich krank und bräuchten sie mehr als ich. Und der Grosse war ihr Lieblingskind - das wusste ich schon immer. Damit hat sie auch nie hinter dem Berg gehalten. Ihre Anerkennung und Zuwendung konnte ich nur durch Leistung oder schwere Erkrankung bekommen. Typische Krankheiten waren Mittelohrentzündung, Angina (sprich Mandelvereiterung) und hohes Fieber. Da durfte ich ausruhen und sie kümmerte sich um mich. 

Später, als ich älter wurde und sie gezielt darauf ansprach, warum sie mich nicht lieben würde, kam als Antwort nur - ich würde aussehen wie mein Vater - sie würde mich ja lieben - sie würde alle ihre Kinder lieben, aber ich sähe nun mal aus wie mein Vater.

Weihnachten und Advent waren Zeiten in denen es stiller, harmonischer und friedlicher in der Familie zuging. Hier war zeitweilig die Athmosphäre von Geborgenheit und Liebe, sogar zwischen den Erwachsenen. War jedoch jedes Jahr zeitlich begrenzt. 

Wann konnten Sie sich der Familie entziehen? Wann und wie begannen Sie Ihren eigenen Weg zu suchen? 

Nach dem letzten Übergriff, den ich bei meinem Onkel erlebt habe, habe ich mich ersteinmal von der Familie distanziert. Ich lebte ein halbes Jahr im Kinderheim. Nachdem ich dort unglücklich und unzufrieden war, bin ich weggelaufen und lebte eine Zeitlang auf der Strasse. Irgendwann nach ein paar Monaten, wandte ich mich dann ans Jugendamt und erhielt nach längerer Diskussion eine eigene Wohnung. Dieses Projekt nannte sich Schutzhilfe. Von da an ging ich Stückchenweise meinen Weg alleine. Ich beendete die Schule und begann meine Ausbildung, die ich im Jahre 1992 erfolgreich bestand. Der Kontakt zu den Familienmitgliedern war jedoch immer da. Man war es nicht anders gewohnt. Selbst der Kontakt zu den Peinigern blieb über all die Jahre bestehen. Nicht häufig jedoch zu verschiedenen Familienanlässen. In der Regel tat jeder so als wäre alles in Ordnung, wobei ich sagen muss, man kannte es ja nicht anders - es war halt so. Die endgültige Trennung von allen fand erst im letzten Jahr statt, als ich die Täter mit ihren Taten schriftlich sowie mündlich konfrontierte und anschliessend Strafanzeige erstattete. Der Bruch zwischen meiner Mutter und mir entstand ebenfalls in dieser Zeit, da ich von ihr nicht die Unterstützung erhielt, die ich mir erhofft hatte. Derzeit habe ich nur noch Kontakt zu meinem Vater und seiner neuen Familie. 

Konnten die Täter juristisch zur Rechenschaft gezogen werden? Gab es Erklärungen oder Versöhnungsgesten von Ihnen oder den Tätern Ihnen gegenüber? 

Nein leider bin ich zu spät dran. Einer ist ja schon vor Jahren verstorben. Zwei der angezeigten Fälle sind juristisch leider verjährt, da man einen Unterschied zwischen Missbrauch mit und ohne Vergewaltigung macht. Bei Missbrauch ohne Vergewaltigung ist die Verjährungszeit 10 Jahre ab dem 18 Lebenjahr. Bei Missbrauch mit Vergewaltigung beträgt die Verjährungsfrist 20 Jahre ab dem 18 Lebensjahr. 

Bei mir liegt der Fall des dritten Täters jedoch so, dass eine Verurteilung angeblich nicht möglich ist, da die betreffende Person geistig auf dem Stand eines 5-jährigen stehen würde und somit nicht schuld- oder verhandlungsfähig sei. Er lebt seit Jahren in einem Heim für behinderte Menschen. Dies wurde damals von seinem Bewährungshelfer veranlasst, da er eine Vorstrafe wegen sexuellem Missbrauchs an Kindern hat. Er wurde zu einem Jahr auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Eine Sicherungsverwahrung wird ebenfalls nicht angestrebt, da er nun ja keine Gefahr mehr für Kinder dar stellt. 

Das klingt nach einer Wiederholung einer Ohnmacht. Zuerst schaute die Mutter weg - also die erste Instanz des Vertrauens überhaupt und dann hatte der Staat keine juristischen Handhabe gegen die Täter. Entspricht das etwa Ihren Empfindungen? 

Das entspricht genau meinen Empfindungen. Für mich ist es so, dass ich den Eindruck habe man hört mir nicht zu. Es interessiert niemand was mit mir ist. Im Gegenteil, man betet mir vor unter welchen Gebrechen meine Täter leiden. Früher half mir meine Mutter nicht - erste Instanz- sie vertrat die Ansicht - das ist Familie, du musst still sein, Liebe bekommt man nur wenn man still und brav ist. 

Heute ist es neben meiner Mutter der Staat der mich im Stich lässt, die zweite Instanz. Ich habe sehr wenig Verständis und Intersse durch die Staatsanwältin erfahren. Im Gegenteil. Auch hier vertritt man teilweise die Ansicht, dass es ja auch gut für mich ist, wenn das Trauma sich nicht noch einmal wiederholt, bzw. die Wunden erneut durch eine Aussage aufgerissen würden. Wen interessiert es schon, dass die Wunden durch das totale Desinteresse überhaupt nicht verheilen können. Instanzen die schützen, helfen und Verstehen sollen, liessen und lassen mich im Stich. Selbst bei der Veröffentlichung des Buches muss ich aufpassen, dass ich keine Namen erwähne, da man mich sonst juristisch belangen könnte. Da ich in diesem Fall das Persönlichkeitsrecht der Personen verletzte. 

Also ist es so, dass in Deutschland der Täterschutz über dem Opferschutz steht, und das ist sehr bedauerlich. Wie soll die Zahl der Geschehnisse sinken, wenn die Täter unbestraft davon kommen. Man vermittelt ihnen doch das Gefühl, dass das was sie tun, richtig und in Ordnung ist, da man sie strafrechtlich nicht belangt. Und wir die Opfer, werden erneut gedemütigt und bekommen das Gefühl vermittelt, dass es falsch ist, wenn wir Strafanzeige erstatten. Der Staat bestätigt das indem es entweder überhaupt nicht zur Anklage kommt oder die Täter mit einem blauen Auge davon kommen. 

Glauben Sie, dass Ihre Wunden durch eine gerechte Bestrafung der Täter verheilen könnten? Oder anders gefragt: Angenommen die Täter wären alle mit einer Strafe belegt worden, die Sie für gerecht empfinden, was wäre heute für Sie anders? 

Man hätte mir zugehört, mich ernst genommen. Das wichtigste für mich jedoch wäre gewesen, dass den Tätern somit klar geworden wäre, dass es nicht in Ordnung ist was sie getan haben. Das Sie zur Verantwortung gezogen worden wären und man mich nicht mehr als Lügnerin abgestempelt hätte. 

Der Kreislauf in dieser Familie, der sich über Generationen zieht wäre auch offiziell durchbrochen worden. Zudem wären ihre Namen und ihre Gesichter bekannt gewesen und somit andere Kinder vor ihren Übergriffen geschützt. Wer sagt mir, dass es heute vorbei ist? Wer sagt mir, das ihre Kinder, sowie ihre Enkelkinder vor ihren Übergriffen geschützt sind? Niemand kann mir weis machen, dass diese "Perversion" aufhört. Wer dies einmal tut, Gefallen daran findet und nicht zur Verantwortung gezogen wird, macht so lange er kann weiter - davon bin ich überzeugt. Aus all diesen Gründen wäre und ist es wichtig, dass Täter zur Verantwortung gezogen werden. 

Angenommen die Täter wären bestraft worden, was wäre für Sie eine gerechte Strafe für die Täter gewesen? 

Ich denke nicht, dass man das was ich jetzt denke drucken darf. Es kann keine Strafe geben die hoch genug wäre. Gefängnis ist auch nicht das was mir persönlich helfen würde. Mir wäre die Veröffentlichung der Namen und Gesichter wichtiger. Ein Führen in der Kartei für Sexualstraftäter und das Verbot sich Kindern zu nähern. Solche Menschen sollten auch keine eigenen Kinder haben dürfen - sie sind vor den Übergriffen genau so wenig geschützt wie nahe Angehörige. Sie können niemals das Leid nachempfinden, dass ein Opfer fühlt und nur eines dieser Erlebnise die wir hatten, würde Ihnen vielleicht annähernd das Leid klar machen unter dem wir unser Lebtag zu leiden haben. Erinnert mich irgendwie an das alte Testament: AUGE UM AUGE, ZAHN UM ZAHN, das ist meine Ansicht zu dieser Sachen. 

Mit der öffentlichen Anprangerung wie in den USA und der Auflage sich nur in einem definierten Abstand zu Plätzen aufzuhalten wo Kinder sind, nimmt man einem solchen Menschen sämtliche Persönlichkeitsrechte. In den USA, wo es eine solche Bestrafung gibt, leben beispielsweise Sexualstraftäter nach der Verbüssung ihrer Strafe unter Autobahnbrücken, weil sie sonst nirgends mehr leben können. Ist eine solche Ausgrenzung aus der Gesellschaft nicht ähnlich in ihrer Konsequenz wie das was die Täter Ihnen angetan haben? 

Man hat auch mir meine Persönlichkeitsrechte genommen. Hier geht es auch nicht in erster Linie um Anprangerung sondern um Schutz. Man sieht es keinem Täter an, dass er ein Täter ist. Gegenfrage: Wie stellen Sie sich eine "Bestrafung" vor? Gefängnis? Therapie? Hat doch bei den meisten nichts genutzt: unendlich viele Wiederholungstäter. Was kann man denn tun? Ihnen ihren Sexualtrieb nehmen? Ist ebenfalls eine gute Vorstellung, jedoch wohl nicht umsetzbar!! 

Es stimmt. Trotz massiven Verschärfungen des Sexualstrafrechts und der Strafnormen in ganz Europa, blieben die Anzeigen bei der Polizei wegen Delikten in Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch auf konstant hohem Niveau. Härtere Strafen schrecken anscheinend nicht ab. 

Ich weiss nicht wie man so jemand bestrafen kann. Ich weiss nur dass man Kinder vor weiteren Übergriffen schützen muss - das ist die Hauptsache. 

Sie sind selber Mutter eines Sohnes. Wie schützen Sie Ihr Kind? Was raten Sie Eltern? 

Als mein Sohn 4 Jahre alt war, begann ich mit der Aufklärung. Es gibt gute Bilderbücher zu diesem Thema. Es fanden und finden immer wieder Gespräche über Aufklärung, Sexualiltät, Verhütung usw. statt. Wir gehen mit diesem wichtigen Thema sehr offen in unserer Familie um. Ich habe meinem Sohn von Anfang an die Selbstbestimmung über seinen Körper gelassen, d.h. wenn mein Sohn nicht in den Arm genommen werden wollte, fand dies nicht statt. Wenn mein Sohn keinen Kuss mag, mag er heute auch noch nicht, dann wurde er nicht geküsst. Ich habe ihm von Anfang an erklärt das niemand ihn Küssen, anfassen oder an intimen Stellen seines Körpers berühren darf, wenn er das nicht möchte. Ich habe mein Kind gelernt "Nein" zu sagen. Sicher war das für viele Familienmitglieder, besonders für die Grosseltern, zu Beginn schwierig. Es entstehen hier leicht Missverständnisse. Aber das alles habe ich in Kauf genommen, da mir die Freiheit und die Selbstbestimmung meines Sohnes über seinen Körper sehr wichtig war und ist. 

Für genauso wichtig halte ich es, dass die Kinder ihren Eltern vertrauen. Vertrauen ist die Basis für alles. Kein Kind erzählt seinen Eltern etwas, wenn es kein Vertrauen hat.
Mir war dies immer wichtig, da ich kein Vertrauen zu meiner Mutter hatte. 

Ich erkläre meinem Sohn immer, dass er mit allem was geschieht, zu mir kommen kann. Es kann geschehen das ich sauer bin oder enttäuscht, aber das wird nichts an meiner Liebe zu ihm ändern. Ich habe ihm erklärt, dass es die Sache ist um die es geht und nicht er als Person. Das beginnt schon bei Kleinigkeiten. Beispiel: Mein Sohn räumt nicht auf, obwohl wir mehrfach darüber gesprochen haben. Irgendwann bin ich sauer, werde laut und dann räumt er auf. Er weiss dann aber, dass ich sauer bin, weil er eine Abmachung nicht eingehalten hat und nicht auf ihn als Person. 

Mir wurde als Kind immer vermittelt, dass ich, wenn ich Fehler mache, als Person nicht wertvoll bin. Mit so viel Minderwertigkeitsgefühlen kann ein Kind kein Vertrauen fassen. Zudem habe ich meinem Kind beigebracht nichts von fremden Personen anzunehmen und schon gar nicht mit ihnen mitzugehen. Ich habe ihm ebenfalls beigebracht bei Gefahr "FEUER" zu schreien und nicht "HILFE". In der Regel reagieren die Menschen bei "FEUER" stärker als bei "HILFE". 

In den letzten Jahren werden immer mehr Fälle bekannt wo Kinder Kinder sexuell missbrauchen. Was ist aus Ihrer Sicht die Ursache für dieses Phänomen? 

Mangelnde Aufklärung, evtl. Vorleben in der eigenen Familie, denn das gibt es ja auch mehr als bekannt ist. Zudem denke ich, dass es hier neben den aufwallenden sexuellen Gefühlen, die ja vorhanden sind, verstärkt um Macht geht. Macht über andere Personen, in diesem Fall Kinder. Klingt vielleicht komisch - ich denke zudem auch, dass die Kinder hier schwächere Personen gefunden haben um ihren Frust an ihnen auszuleben und ihre Phantasien die sie wohl haben zu verwirklichen. In den Fällen, die mir durch Medien usw. bekannt sind, wo Kinder Kinder missbrauchen, ist der Gewaltfaktor ziemlich hoch. Ich kann nur vermuten, dass hier eine grosse Portion Frustration neben dem verfrühten Einsetzten der Pubertät vorhanden ist. 

Zudem bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass in der Zeit in der wir leben, die früheren Werte wie Mitgefühl, Verantwortung, Wahrheit, Konfkliktfähigkeit, Kommunikation von Mensch zu Mensch usw. kaum vorhanden sind. Der Mensch zählt nicht mehr als Mensch, sondern wird an seiner Leistung, oder bei Kindern und Jugendlichen an seinen Besitztümern oder Markenkleidung, gemessen. Leider leben hier in Deutschland mittlerweile sehr, sehr viele Menschen am Existenzminimum und können sich diese Dinge nicht leisten. Auch hier kann ich mir die Frustration der Jugendlichen oder Kinder vorstellen die dann zu solchen Handlungen führen könnnen. 

Natürlich dient all dies nicht als Entschuldigung für dieses unmenschliche Handeln. Diese Fälle haben auf mich häufig den Charakter einer Kurzschlussreaktion, während die Erwachsenen ihr Vorgehen genau planen und über Jahre hinweg durchziehen. 

Natürlich finde ich auch das Verhalten der Kinder und Jugendlichen die so etwas tun höchst bedenklich und gefährlich. Die wahren Hintergründe zu diese Taten, können jedoch nur die Täter selbst, ob Erwachsen - Jugendlicher oder Kinder selbst, bestimmen. Dies hier sind nur Überlegungen die ich dazu anstelle um mir ein solches Verhalten einigermassen zu erklären. 

Welchen Einfluss haben Computerspiele und Medien auf das Verhältnis der Kinder zu Sexualität und Gewalt? 

Schwierige Frage. Ich denke die Medien wirken eher abschreckend und beängstigend auf Kinder, vor allen Dinge wenn Sie jünger und von ihrem Wesen her eher sensibel sind. Ich vertrete die Ansicht, dass die Computerspiele nicht im geringsten mit der Realität zu vergleichen sind. Das schlimmste Spiel kann nicht so schlimm sein wie die Nachrichten im Fernsehen, wenn sich zig Leute in die Luft sprengen, Unschuldige mitreissen und sich kontinuirlich bekriegen. Ein Kind kann sehr wohl unterscheiden was Realität und was Phantasie ist. Ein Spiel ist ein Spiel und dient dem Kind zum Spass oder zum abreagieren. Es ist immer noch besser die Kinder lassen ihren Frust in einem solchen Spiel heraus als wenn Sie in der Realität auf Menschen losgehen. Ich denke auch nicht, dass ein solches Spiel ein Kind dazu treibt in der Realität so etwas zu tun. Diese Dinge geschahen schon lange bevor es Computerspiele gab. 

Meiner Meinung nach besteht der Unterschied darin, dass diese Dinge heute offener ausgesprochen werden als früher und dies wohl gleichzeitig mit der Entwicklung von PC und Computerspielen in diesem Bereich geschieht. 

Man hört in letzter Zeit öfter von Ehemännern, die sich sexuell offensiv ihren eigenen Kindern nähern. Wie sollte man richtigerweise in einer Familie damit umgehen, wenn sich ein Elternteil falsch verhält? 

Das Kind sofort aus der Gefahrenzone bringen. Den Mann direkt mit dem Gesehenen konfrontieren. Wenn ein Übergriff stattgefunden hat, rate ich zur Anzeige. Das Kind ärztlich und psychologisch betreuen lassen. Meine ehrliche Meinung. Ich würde mich von einem solchen Partner sofort trennen. Wenn es gerichtlich geregelt wurde, wegen dem Besuchsrecht, würde ich das Kind nicht allein mit ihm lassen. Also Kontakt nur wenn die Mutter oder eine neutrale Person vom Jugendamt dabei ist. Hier liegt die oberste Priorität darin das Kind zu schützen. Bei entstandem Schaden durch Übergriffe, die schon stattgefunden haben, geht es nur noch um Schadensbegrenzung und Hilfestellung das Erlebte zu verarbeiten. 

Wichtig ist hier wie gesagt, die psychologische Betreuung. Das Kind sollte sofort vermittelt bekommen, dass es keinerlei Verantwortung an dem trägt was geschehen ist. Hier liegt die Verantwortung allein beim Erwachsenen. Das Kind hat nichts falsch gemacht. Fragen wie: Warum hast du nichts gesagt? Warum hast du nicht Nein gesagt? sollte man unterlassen als Mutter, da es dem Kind Schuldgefühle vermitteln könnte. Das Kind liebt beide Elternteile, es weiss häufig nicht, was hier richtig und falsch ist. 

Immer und immer wieder betone ich, Aufklärung ist das A und O. Nur aufgeklärte Kinder können "Nein" sagen weil nur sie wissen, dass es falsch ist. 

Angenommen Ihr Sohn würde auf einer Ferienfreizeit oder im Sportverein die Freundschaft mit einer erwachsenen Person eingehen und auffallend viel Zeit mit dieser Person verbringen. Wie würden Sie reagieren? 

Zuerst würde ich das Gespräch mit meinem Sohn suchen. Ich würde wissen wollen, was es ist was ihn an dieser Person fasziniert. Ich würde natürlich versuchen wollen zu erfahren, was für eine Art Beziehung oder Freundschaft das ist. Es gibt ja auch Beziehungen in denen Kinder und Erwachsene ohne Sexualität auskommen. Will heissen, die ältere Person kann ja auch als Vorbild fungieren. 

Ich würde die Person kennenlernen wollen um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Zudem würde ich meinem Sohn auch hier erklären, dass in dieser Freundschaft nichts gegen seinen Willen geschehen darf. Ich würde ihm, so wie ich es heute schon tue - erklären, dass Sexualität, Geschlechtsverkehr und alles was in diese Richtung geschieht, zwischen Erwachsenen und Kindern tabu ist. Mein Sohn kennt meine Geschichte - nicht alle Einzelheiten, aber doch soweit, dass er sehr gut weiss, dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern tabu ist. Ich würde ihn bitten das Vertrauensverhältinis, dass zwischen uns besteht, zu nutzen. Will heissen, ich würde ihn bitten mir zu erzählen, wenn etwas in diese Richtung geschehen sollte - mit oder ohne seinen Willen. Ich würde ihm erklären - so wie ich es ebenfalls seit Jahren tue - dass ich ihn liebe - egal was geschieht und egal was er tut. Er weiss, wir können nicht immer einer Meinung sein. Manchmal tue ich Dinge zu seinem Schutz auch wenn er sie nicht direkt nachvollziehen oder verstehen kann. 

Selbst wenn Sexualität mit Einverständis meines Kindes geschähe in diesem Bereich - würde ich den Kontakt unterbinden und die erwachsene Person auf ihr Erwachsensein hinweisen. Ich würde ihr den Kontakt zu meinem Kind verbieten, da ich mein Kind schützen möchte und dies auch mit allen mir zur Verfügung stehenden legalen Mitteln tun würde. 

Das Schutzalter liegt zur Zeit bei 14 bis 16 Jahren. Es gibt Pläne das allgemeine Schutzalter auf 18 Jahre zu erhöhen. Wie stehen Sie zum Schutzalter und den Plänen es zu erhöhen? 

Schwierige Frage. Ich würde sagen, das Schutzalter bis 16 Jahre ist ausreichend. In der Regel gehe ich davon aus, dass Jugendliche im Alter von 16 Jahren aufgeklärt sind. Zudem vertrete ich die Ansicht, dass sie unter normalen Bedingungen (keine geistige Krankheit oder Entwicklungsverzögerung) von ihrer Intelligenz schon so weit sind, dass sie genau wissen was sie möchten und was nicht. Zudem gehe ich davon aus, dass man in diesem Alter durchaus fähig ist sich zu wehren oder Hilfe zu suchen. Ich gehe jetzt von mir aus: Der letzte Übergriff, den ich erfahren habe, war mit 13 1/2 Jahren. Sicher, in der Nacht war ich dem Übergriff schutzlos ausgeliefert. Zwei Tage später jedoch, nach dem sich der Vorfall in der Nacht zuvor wiederholt hatte, traf ich die Entscheidung zu gehen und nicht zu bleiben. 

Ich denke unter Berücksichtigung von verschiedenen Umständen ist es angebracht das Schutzalter zu erhöhen, wie z.B. bei den oben genannten Faktoren oder schweren Erkrankungen der Psyche oder des Körpers, wo die Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt ist. Ansonsten gehe ich davon aus, dass ein Schutzalter bis 16 Jahren durchaus ausreichend ist. 

In der Fachliteratur zum sexuellen Missbrauch werden als Folge von sexuellem Missbrauch sehr viel verschiedene Symptome bei Opfern angegeben. Können Sie sagen, unter welchen Symptomen Sie genau leiden und welchen Symptome Sie bei anderen Opfern häufig beobachtet haben? 

Sypmptome unter denen ich litt und teileweise immer noch leide: 

- Angst und Panikzustände
- Misstrauen
- Motorische Unruhe
- Ungewöhnliche Gedanken
- Kontrollzwang
- Putzzwang
- Drang zum Perfektionismus
- Schlafstörungen
- Alpträume
- Essstörungen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Übelkeit
- Körperliche Schwäche
- Starke Gewichtsschwankungen
- Minderwertigkeitsgefühle
- Mangelndes Selbstvertrauen
- Hilflosigkeit /Aggression
- Ohnmacht- und Schwindelanfälle
- Nervenzusammenbrüche
- Heul- und Weinkrämpfe
- Depression
- Paradoxe Emotionen
- Verdrängung der Erlebnisse
- Hoher Energie - und Kraftaufwand um normal zu wirken
- Beziehungsprobleme
- Verschlossenheit
- Probleme mit dem anderen Geschlecht
- Probleme mit der Sexualität
- Scham
- Schuldgefühle
- Probleme mit dem Körper und dem Frausein
- Arbeitsunfähigkeit
- Hohe Anpassungsfähigkeit
- Herzrasen
- Schweissausbrüche
- Zittern
- Frösteln/Frieren
- Hitzewallungen
- Hautausschläge
- Rötungen im Gesicht
- Allergien
- Ungeduld
- Nägelkauen
- Ansätze zur Selbstszerstörung ( kratzen, Haare ziehen)
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Gliedmassen
- Gefühl neben sich zu stehen
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Verschwommenes Sehen
- Schreckhaft
- Geräuschempfindlichkeit
- Selbstbestrafung
- Abspaltung 

Mir fiel bei anderen Betroffenen auf, dass auch eine Drogensucht oder Magersucht vorliegen kann. Selbst sexuelle Ausschweifungen können auftreten. 

Eine provokante Frage: Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass diese Symptome auf die erlebten Missbrauchsfälle zurückzuführen sind? 

In meinem Leben gab es nur Missbrauch auf allen erdenklichen Ebenen. Ich hatte als Kind niemanden zum reden; ich musste mir Strategien zum Überleben erschaffen. Wenn ich heute in der Therapie meine Erlebnisse aufarbeite, gehen Bilder, Gefühle und körperliche Reaktionen immer zusammen einher. 

Zudem habe ich eine ärztliche Bescheinigung und ein Gutachten über genau diese Symptome, die daraufhin zurückzuführen sind. Beschwerden die ich als Kind mit dem Erlebten verdrängt und abgespalten habe, kommen nur gepaart mit der Erinnerung wieder zum Vorschein. 

Menschen, die zu Unrecht des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden oder aber Pädophile, die Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren, haben ganz ähnliche Symptome. Ebenso klagen andere Randgruppen, wie zum Beispiel HIV-Infizierte Menschen über die psychischen und physischen Folgen der Diskriminierung. Gibt es aus dem ganzen Katalog von Symptomen charakteristische Merkmale, die man bei anderen Randgruppen nicht findet? 

Kann ich nicht genau beantworten. Spontan fällt mir dazu folgendes ein: ähnliche Symptome sind nicht die gleichen. Selbst in den Diagnoseschlüsseln gibt es noch Untergruppen. 

Man ist nicht nur einfach "depressiv" sondern man hat schwere depressive Schübe, mit oder ohne Verfolgungswahn; extreme Schwierigkeiten im sexuellen Bereich; Abneigung gegen das andere Geschlecht; Wasch - und Putzzwang; multiple Persönlichkeiten - sprich Schizophrenie; Psychosen. 

Besteht nicht eine gewisse Gefahr, bei der ungeheuren Vielzahl der Symptome, diese nur einer Sache zuzuordnen? Waren es die sexuellen Gewaltanwendungen, war es die fehlende Unterstützung, die offensichtlich emotionale Kälte, das Vermissen einer echten vertrauenswürdigen Bezugsperson etc.? 

Ich würde sagen, alles was sich auf den sexuellen Bereich ausweitet ist klar und deutlich den Missbräuchen zuzuschreiben. Die anderen Symptome die vorhanden sind kann ich für mich sowohl dem Missbrauch als auch der restlichen Situation zuordnen. Nehmen wir z.B. die Esssucht: Ich esse um eine gewisse Leere in meinem Innern zu füllen. Gleichzeitig wirkt das Essen auch als Schutzschild: Wenn mein Körper eine gewisse Form angenommen hat, bin ich vielleicht nicht mehr attraktiv genug für das andere Geschlecht und somit geschützt. 

Angst - Angst habe ich weil ich den Gewalttaten und Missbräuchen hilflos ausgeliefert war. Angst hatte ich aber auch verlassen zu werden - alleine zu sein - mir fehlte sicherlich eine vertrauenswürdige Bezugsperson. Die genannte Sypmtomatik umfasst meine gesamte Kindheit bis ins Alter von 14 Jahren. Der Grossteil dieser Zeit war von Missbräuchen verschiedenster Formen geprägt. Also ziehe ich den Schluss: Ohne Missbrauch mit einer besserern Kindheit, würde ich an den genannten Symptomen nicht leiden. 

Sie sprechen von "Missbräuchen verschiedenster Formen". Was muss man sich darunter vorstellen? 

Zum einen natürlich der sexuelle Missbrauch und zum anderen der Missbrauch in Form von körperlicher Züchtigung, sprich Schläge durch die Mutter. Was ebenfalls sehr schlimm ist, ist der emotionale Missbrauch - sprich man wird nur gesehen und geliebt, wenn man tut was richtig ist. Richtig ist natürlich immer nur das, was sich die Erwachsenen vorstellen. 

Für ein Kind ist es sehr schwierig wenn die Mutter sich umdreht und sagt: "Du bist nicht mehr meine Tochter, du bist für mich gestorben" oder "Du bist nicht einmal der schwarze Dreck unter meinen Fingernägeln wert". Ganz beliebt sind auch Säzte wie: "Dein Vater hätte besser in den Rhein gewichst, dann wärst du heute noch unterwegs" Nur weil man einen Fehler gemacht hatte. Es konnte passieren, das sie mich tagelang nicht beachtet hat, egal wie sehr ich mich anstrengte, den begangenen Fehler wieder gut zu machen. 

Missbraucht fühlte ich mich auch, wenn ich für die Familie beim Pfarrer um Geld betteln musste, diverse Gegenstände wie Kleidung und Geschirr in Antiquitätengeschäften verkaufen musste oder wenn ich mit Zetteln in der Hand in den Tante Emmaladen zum anschreiben geschickt wurde. Ich wurde losgeschickt mit dem Satz: "Wenn du das nicht schaffst dann haben wir heute Abend und morgen nichts zu essen. Ich weiss nicht was ich den Kindern erzählen soll. Auf dich kann ich mich verlassen, du schaffst das schon." Der nervliche Druck und die Anspannung unter der ich stand war unbeschreiblich. Man muss bedenken, ich war selber noch ein Kind im Alter zwischen 9 und 11 Jahren. Die Verantwortung die hier auf mir lang war fast nicht erfüllbar. 

Ich spreche hier vom Gesamtmissbrauch meiner Person. Welches Kind im Alter von 8- 13 Jahren muss putzen gehen bei Fremden, betteln, einmal sogar stehlen, ohne eigenes Wissen. Es ist zu viel um es hier aufzuführen. Es ist in meinem Buch nachzulesen. 

Wenn Pädophile von ihren Freundschaften berichten, dann ist ihnen meistens das Wohl des Kindes enorm wichtig - mehrheitlich wichtiger als ihr eigenes. Solche Missbräuche wie Sie sie beschreiben, drehen jedem kinderliebenden Menschen den Magen um. Gleichzeitig stellt sich bei Pädophilen beim Lesen solcher Berichte immer auch eine Wut ein: Genau wegen solchen sexuellen Missbräuchen, die ja nicht Folge von Freundschaften und Beziehungen, also von Liebe - aus Pädophilie - entstehen, sondern den Ursprung in sozialer, finanzieller und emotionaler Armut ihre Wurzeln haben, entsteht durch entsprechend undifferenzierte Medienberichte ein komplett falschen Bild von pädophilen Menschen. Können Sie nachvollziehen, dass pädophile Menschen diese Differenzierung einfordern? 

Ja, ich denke es geht darum dass sie den Gewaltfaktor und die Abhängigkeit heraus haben wollen. Durch Ihre Beschreibung entsteht ein Bild, dass diese Menschen das was Sie tun aus Liebe tun. 

Insofern kann ich nachvollziehen, dass sie eine Differenzierung anstreben und wünschen. Mir persönlich ist zu wenig bekannt über die Beziehung zwischen Pädophilen und Kindern. Ich kann von mir aus nur sagen, dass Sex zwischen Kindern und Erwachenen sowie Zärtlichkeiten die Eindeutig zur sexuellen Stimulierung dienen tabu sein sollten. Sexualität gehört für mich in den Erwachsenenbereich. 

Gerade wenn es um sexuelle Experimente zu Beginn der Pubertät geht, meinen die meisten Menschen, Kinder sollten solche Erfahrungen unter sich machen. Finden Sie, angesichts der gewaltigen Unterschiede im physischen und psychischen Bereich auch bei Gleichaltrigen, der nicht immer geraden sensiblen und toleranten Art wie Kinder unter einander umgehen, der oft noch fehlenden Fähigkeit selbstkritisch und verantwortungsbewusst zu handeln und angesichts der immer öfter in der Presse zu entnehmenden Fällen von Vergewaltigungen unter Kindern, diese Haltung für richtig? Was würden Sie Pädophilen entgegnen, die meinen, sie könnten sehr wohl zwischen Experimentierwunsch und echtem sexuellen Verlangen aus Liebe unterscheiden und damit eventuelle sexuelle Erfahrungen für das Kind sicherer gestalten? 

Ich bin der Meinung das trotz allem was in den Medien gezeigt wird, die Kinder ihre Sexuellen Erfahrungen mit sich selbt (was ich für sehr wichtig halte, damit sie sich, ihren Körper und ihre Wünsche kennenlernen) und mit entwaigigen Gleichaltrigen machen sollten. 

Zu der zweiten Frage: Ich bin mir nicht sicher ob bei den Pädophilen hier wirklich die sichere sexuelle Erfahrung für den Jugendlichen im Vordergrund steht - oder ihr eigenes körperliches und seelisches Verlangen Kinder zu lieben. 

Kinder beginnen normalerweise schon sehr früh damit ihren Körper und ihre Genitalien zu erforschen. Da ich gelernte Kinderpflegerin und Mutter bin, weiss ich von was ich spreche. Für mich wäre es undenkbar, dass hier ein Pädophiler einem drei- oder vierjährigen Kind sichere Sexualität gewährleistet. 

Ich würde dem Erwachsenen zudem nahe legen, dass es vielleicht sein kann, das er anfängliches Experimentieren von sexuellem Verlangen unterscheiden kann. Doch wer gibt dem Jugendlichen die Sicherheit, dass der Erwachsene nicht plötzlich umschwenkt und mehr an seinen Bedürfnissen und Wünschen interessiert ist. 

Für mich steht diese Art der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kind/Jugendlicher nicht zur Debatte. Genau dies würde ich dem jeweiligen Erwachsenen auch mitteilen. 

Sie haben über Ihre Geschichte ein Buch geschrieben. Was war Ihnen besonders wichtig beim Schreiben? 

Es war mir sehr wichtig die Situation aus meiner Sicht zu schildern. Im Buch konnte ich alles erzählen was mir auf der Seele lag. Das Schweigen wurde gebrochen, endlich begann man damit darüber zu reden. Sehr wichtig war mir auch zu zeigen, dass man trotz allem leben kann. Dass es Liebe und Vertrauen gibt - Menschen insbesondere Männer die lieben können ohne zu missbrauchen. Ich wollte aufzeigen, dass es Möglichkeiten gibt, die Angst ein Stück weit zu verlieren; sich der Vergangenheit und auch den Tätern zu stellen. Es ist eines der besten Gefühle gewesen die ich je empfunde habe, als die Macht auf meiner Seite lag. 

Ausserdem wollte ich die vielfältigen Symptome aufzeigen, die eine solche Vergangenheit begleiten. Hier ist es mir besonders wichtig Ärzte und Therapeuten zu erreichen. Man kann sehr schnell eine fehlerhafte oder nicht ausreichende Diagnose erhalten. Ich kenne das von mir selbst. Man wird darauf hin mehr oder weniger falsch therapiert und medikamentiert und alle Beteiligten wundern sich warum keine Verbesserung der Erkrankung eintritt. 

Eines meiner grössten Ziele ist die Prävention. Ich möchte, dass Kinder geschützt werden und dass wenn ein Kind sich schon in Gefahr befindet, man möglichst schnell die Situation richtig erkennt und dementsprechend handeln kann. Wenn Täter dieses Buch lesen, mögen sie erkennen, was Sie den Opfern antun. Wir müssen ein Lebenlang mit diesen Folgen leben. 

Prävention und Aufklärung sind meine obersten Ziele. Mit meinem Buch spreche ich nicht nur für mich, sondern ein bisschen für alle Opfer von Missbrauch - ob weiblich oder männlich. 

Welche Resonanzen erhielten Sie für Ihr Buch? 

Die Resonazen auf mein Buch waren überwiegend positiv. Man bewunderte meinen Mut und meine Offenheit mit dieser schweren Thematik an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich werde ermutigt auf diesem Weg weiterzugehen und somit für alle Opfer zu sprechen. 

Ich erhielt auch Aussagen die weniger positiver waren. Man warf mir zum Beispiel vor, dass ich pornographisch geschrieben hätte und somit Täter zu etwaigigen Taten animieren würde. Viele stellten sich wiederum die Frage, ob man so offen mit dem Thema umgehen dürfe ohne, dass der Verdacht der "Erfindung" entstünde. 

Die meisten Menschen waren betroffen und sehr verletzt als sie lasen was mir passiert war und wie ich heute versuche mit den Folgen zu leben. Verzweiflung, Wut, Trauer und Enttäuschung über die Ignoranz meiner Mutter und heute auch über die Justiz sind andere sehr wichtige Reaktionen für mich. Von therapeutischer Sicht her höre ich ebenfalls nur positive Resonazen. 

Das Buch wurde ebenfall von Vereinen gegen sexuellen Missbrauch positiv aufgenommen. Viele haben es in ihre Bibliothek aufgenommen. Was mich auch sehr gefreut hat, ist dass mein Buch ebenfalls in der Schweiz und in Österreich bei verschiedenen Vereinen wie z.B. Zivilcourage usw. positiv aufgenommen und auf ihrer HP veröffentlicht wurde. 

Auch ich möchte Sie zu Ihrem Mut beglückwünschen. Letzte Frage: Welchen Rat würden Sie Pädophilen geben, die durch die mediale und gesellschaftliche Verallgemeinerung (Pädophilie=sexueller Missbrauch) versteckt in der Gesellschaft leben? Wie kann man aus ihrer Sicht Leid auf beiden Seiten in Zukunft möglichst minimieren? 

Leid vermeiden denke ich funktioniert nur durch Aufklärung. Es ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Es ist eine normale und automatische Denkweise, dass man davon ausgeht, das Pädophilie = sexueller Missbrauch ist. Klingt vielleicht seltsam, aber die Gesellschaft weiss zu wenig über diese Randgruppe. Die Menschen dieser Randgruppe werden wohl immer damit leben müssen, dass Sie von der Gesellschaft nicht mit Achtung angesehen werden. 

Solange keine Delikte vorliegen bzw. solange nicht der Versuch gestartet wird, diese Neigung auszuleben, besteht ja nicht der Zwang die Menschheit damit zu konfrontieren. Sie leben dann ihr Leben mehr oder weniger "normal". (Wobei ich mich ehrlich frage, wie das funktioniert, wenn sie Kinder doch so sehr lieben? Aber auch ich kenne das Bild des Pädophilen zu wenig). Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Missbrauch geschieht in den meisten Fällen durch Familienmitglieder oder gute Bekannte und Freunde der Familie. Es sind in den seltensten Fällen wirklich Fremde. Zudem weise ich hier wieder auf den Gewaltfaktor und die Geheimhaltung hin. Diese Menschen haben meines Erachtens nur ihre eigene Befriedigung im Sinn. Hier geht es darum ein schwächeres Opfer zu haben, das still hält und schweigt. 

Machtverhältnisse spielen hier eine sehr grosse Rolle. Diese Menschen haben häufig Schwierigkeiten eine Partnerin zu finden oder mit einer gleich starken Person zurecht zu kommen. Ich für meinen Teil würde sogar soweit gehen, dass " Missbraucher" häufig an Minderwertigkeitskomplexen leiden. Sie kommen in ihrem Leben einfach nicht zurecht - Frauen sind etwas was sie ängstigt - selbst die schwächste Frau ist stärker als ein Kind. Ein Kind ist auf vielfältige Weise manipulierbar. Es setzt sich in der Regel nicht zur wehr. Eine Frau wehrt sich irgendwann - auch wenn es lange dauert. 

Auch wir, die Opfer müssen mit den verschiedensten Reaktionen der Gesellschaft leben. Hier ist ebenfalls von Verständis bis zur Verachtung alles möglich. Häufig erhalten wir noch die Schuld für das was geschehen ist, weil wir da waren, zu hübsch waren oder weil unsere Mutter krank war und nicht wollte. Therapie denke ich ist eine Art Hilfe zu erfahren. Wobei ich ehrlich gesagt glaube, dass diese Randgruppe es immer schwer haben wird. 

Besten Dank für das Interview. pe

 

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